Stasi-Vorwürfe gegen Quintana (26.09.08)

Heilbronn Schauspieldirektor will Anschuldigungen entkräften

Von Iris Baars-Werner, Martin Ferber und Andreas Sommer
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Für die Berliner Birthler-Behörde gibt es keinen Zweifel: Der Heilbronner Schauspieldirektor Alejandro Quintana war von 1978 bis 1982 inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi. „Aus den Unterlagen ergibt sich zweifelsfrei, dass er wissentlich und willentlich für das DDR-Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet hat“, sagte Andreas Schulze, der Sprecher der von Marianne Birthler geleiteten Stasi-Unterlagenbehörde, gegenüber unserer Zeitung. Insgesamt umfasst die Stasi-Akte des Künstlers 141 Seiten. Nichts spreche dafür, dass er unwissentlich abgeschöpft wurde.

Der gebürtige Chilene Quintana flüchtete als 21-Jähriger 1973 nach dem Sturz des linken Präsidenten Salvador Allende durch die Militärs unter General Pinochet in die DDR. In Ost-Berlin studierte er an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Nach den Unterlagen der Birthler-Behörde warb ihn das MfS im Februar 1978 zusammen mit zwei weiteren chilenischen Exilanten an. Unter den Decknamen „IM Lautaro“ und später „IM Juan“ berichtete Quintana der Stasi anfangs ausführlich über Vorgänge in der Gruppe der chilenischen Emigranten in Rostock, der auch er selber angehörte, später nur noch spärlich. 1982 stellte die Stasi wegen fehlender Perspektive die Zusammenarbeit ein.

Eine „unverzügliche Stellungnahme“ hat die Stadt Heilbronn von Quintana verlangt - und gestern auch erhalten. In dürren Worten erklärt der Beschuldigte, er werde Einsicht in seine Akte beantragen, „um zu den erhobenen Vorwürfen konkret Stellung nehmen zu können und diese zu entkräften“.

Die Stadt hatte ihrerseits die Aussagen der Birthler-Behörde selbst in Augenschein nehmen wollen, die Rechtslage spricht jedoch dagegen: Kulturbürgermeister Harry Mergel erklärte gestern dem Gemeinderat, seit der Novellierung des Stasi-Unterlagen-Gesetzes sei es „Dienstherren nicht mehr möglich, Akteneinsicht in die Unterlagen ihrer Mitarbeiter zu bekommen.“ Man nehme „die Vorwürfe sehr ernst“ und werde „die Problematik sorgfältig und konsequent aufarbeiten.“ Über eventuelle Schritte könne erst entschieden werden „wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen“. Intendant Axel Vornam will von den Vorwürfen nichts gewusst haben.

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