Spielfreudige Streicher

Beim Konzert des Heilbronner Sinfonie Orchesters war Sara Löffelhardt der Star

Von Reinhold Birk
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Spielfreudige Streicher
Die Heilbronnerin Sara Löffelhardt spielte das erste Violinkonzert von Max Bruch auf technisch höchstem Niveau.

Foto: Ralf Seidel

Musikalische Geschenke zu Weihnachten und Neujahr“ waren Titel und Programm des Heilbronner Sinfonieorchesters im dritten Konzert unter Peter Braschkat. In der voll besetzten Harmonie erklangen außer zwei Raritäten vier populäre Werke, die die Hörer vom Rundfunk kennen - Ohrwürmer, zu denen manche Zuhörer leise mitsummten.

Ernst Nikolaus von Rezniceks „Donna Diana“-Ouvertüre ist dem „Römischen Karneval“ von Berlioz, der am 15. April erklingt, in allzu vielen Details nachgebildet, ohne das Vorbild zu erreichen. Braschkat nahm das spritzige, aber heikle Stück im Tempo gemäßigt. Um das korrekte Spiel nicht zu gefährden, nahm er den Verlust an leicht gewogener Zielstrebigkeit in Kauf.

Das sind Kompromisse, mit denen Dirigenten und Orchester, für die es nur wenig Probezeit gibt, leben müssen. Ähnliches zeigte sich an diesem Abend noch öfter.

Kein Nachwuchstalent mehr Das erste Violinkonzert von Max Bruch gilt zu Recht als Meisterwurf. Die 1982 geborene Heilbronnerin Sara Löffelhardt spielte es so hervorragend, dass die Bezeichnung Nachwuchstalent nicht mehr angebracht wäre. Viel Technik bewies sie bei raschen Passagen und markanten Mehrfachgriffen.

Im herrlichen Adagio bot sie echten Ausdruck ohne Sentimentalität, im Finale aber Vibrato und stilistisch vertretbare, hörbare Lagenwechsel. Das beweist ihre selbstständige Gestaltungsgabe. Häufig, besonders in rezitativischen Partien, spielte sie, als besäße ihre Geige mehr Volumen. So ist zu hoffen, sie huldige nicht der Mode des volumenarmen Violinspiels und lehne Vorbilder wie Oistrach nicht ab. Ihr Spiel hätte also längeren Beifall verdient als den spontanen, aber relativ kurzen Applaus.

Das Blech legte sich oft steif ins Zeug, was ein gewisses Ungleichgewicht bewirkte. Das geschah auch bei Tschaikowskis „Capriccio italien“. Höhepunkte wirken bei dosiertem Einsatz bedeutsamer. Doch die Spielfreude war dem Orchester, vor allem seinen Streichern, hier anzusehen.

Geborgtes Taschentuch Ausgewogener war die Dynamik dann in Amilcare Ponchiellis „Tanz der Stunden“. Davor erlebte man zweimal den 1992 geborenen, hoch begabten, bulgarischen Cellisten Boris Vladimirov Nedialkov. Tschaikowskis im Tempo an Rimsky-Korsakoffs „Hummelflug“ erinnerndes Pezzo capriccioso meisterte er mit stupender Technik. Kein Wunder, dass er sich vom Primarius ein Taschentuch borgte.

Auch David Poppers Polonaise Opus 14 geriet locker, mit schönem Harfensolo. Dieser junge, sehr versierte Cellist berechtigt zu großen Hoffnungen. Sehr beklatscht wurden die populären Orchesterzugaben. Natürlich war die „Petersburger“ Schlittenfahrt wieder dabei.


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