Seine Kunst ruht in sich selbst

Bildhauer und Professor: Gunther Stilling feiert heute auf einem Segelboot seinen 65. Geburtstag

Von Andreas Sommer

„Ein Dickschädel, der sich selbst treu bleibt.“

Galerist Rudolf R. Bayer über Gunther Stilling

Güglingen - Der Bildhauer Gunther Stilling ist vor allem mit seinen markanten Köpfen und Torsi aus Bronze bekannt geworden. Sein Generalthema ist Gewalt als männliches Prinzip, das den Menschen in seiner Existenz bedroht. Der Künstler zeigt in seinen Skulpturen, wie der Mensch eingezwängt ist in ein starres Ordnungs- und Machtgefüge.

Kopf, Hand oder Fuß stehen für das Ganze. Stilling zitiert die klassische Ästhetik, verweigert aber die ideale Form. Lieber seziert er mit schmerzhaften Schnitten Mensch und Material, lässt uns hinter erloschenen Augen, aufgerissenen Mündern und aufgesprengten Rüstungen in die tiefen Abgründe der menschlichen Existenz blicken.

Gunther Stillings Kunst ruht in sich selbst, sein Werk zeichnet Konsequenz und Kontinuität aus und gefällt durch die Vielfalt der Volumina und Materialien. Der Bildhauer will mit seiner Kunst Fragen stellen, aber keine Antworten geben, er will konfrontieren, nicht provozieren und schon gar keine Geschichten erzählen.

Mit den symbolträchtigen Themen Hand und Fuß hat Stilling sein Motivrepertoire erweitert. Seit dem vergangenen Jahr schmückt etwa das 2,50 Meter breite und zwei Meter hohe Aluminium-Kunstwerk „La Mano“ („Die Hand“) den Platz vor der VHS Neckarsulm und verleiht ihm eine besondere Spannung. Die Hand steht für die Verbindung von Innen- und Außenwelt, für nonverbale Kommunikation und sprichwörtliche Redensarten wie „mit der Hand sprechen“.

FH-Professor Der am 2. Mai 1943 in Srpski Miletic/Jugoslawien geborene und in Bissingen aufgewachsene Gunther Stilling studiert von 1964 bis 1969 an der Stuttgarter Akademie und ist danach als Kunsterzieher in Brackenheim tätig. Von 1973 bis 1978 arbeitet er als Assistent an der Uni Karlsruhe, seit 1975 gehört er dem Künstlerbund Baden-Württemberg an. 1978/79 ist er Stipendiat der Kunststiftung, seit 1979 hat Gunther Stilling eine Professur für Plastisches Gestalten und Freies Zeichnen an der Fachhochschule Kaiserslautern inne.

Stilling, der in Güglingen und Pietrasanta bei Carrara (Italien) lebt, sieht sich gern in der Rolle des Propheten, der im eigenen Land nichts zählt. Seinen 65. Geburtstag feiert er heute auf einem Segeltörn zwischen Elba und Korsika.