Schöne Schnulzen

20 Jahre Geschwister Hofmann: einfach, schlicht und gerade deshalb erfolgreich

Von Werner Tewes
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„Wer mit beiden Beinen auf der Erde steht, ist in der Lage, nach den Sternen zu greifen.“

Alexandra und Anita Hofmann

Heilbronn - Etwas Gesellschaftskritik gefällig? Ausgefeilte Melodien, ein innovatives Showprogramm? Das alles gibt es hier nicht. Bei den Geschwistern Hofmann ist die Welt friedlich und bunt: ein Schunkelliedchen hier, eine Mitsingpassage da, nur nicht zu kompliziert und nicht zu aufregend. 20 Jahre stehen die Schwestern Anita und Alexandra nun schon auf der Bühne. Grund genug für eine Jubiläumstour gemeinsam mit dem MDR-Fernsehballett und dem eigenen Liveorchester inklusive Zwischenstopp in der mit 900 Zuschauern mäßig gefüllten Heilbronner Harmonie.

Immerhin sind zwei Jahrzehnte im Showgeschäft kein Zuckerschlecken. Und wenn man berücksichtigt, dass die blonde Alexandra erst 34, ihre brünette Schwester Anita gar nur 31 Jahre alt ist, wird klar: Die beiden haben fast ihr ganzes Leben im Rampenlicht verbracht.

Natürlich haben sie viel erlebt in all der Zeit, und natürlich lassen sie ihre Fans daran teilhaben: etwa an ihrem ersten großen Hit „Alle Farben dieser Erde“, mit dem sie 1993 den zweiten Platz beim Grand Prix der Volksmusik einheimsten, oder „Die Macht der Gefühle“, zehn Jahre später veröffentlicht und nicht minder erfolgreich. Auch ihr neues Lied „Herzbeben“ ist im Programm. Und die Reaktion der Zuschauer –das Mitschunkeln, das Mitsingen, der tosende Applaus – zeigt: Hier ist der nächste Hit im Anmarsch.

Das Publikum ist schier aus dem Häuschen. Spätestens als eine Diashow über die Leinwand flimmert und Bilder von Alexandra und Anita im Kinderalter gezeigt werden, gibt es kein Halten mehr: „Oh, wie süüüß“ raunt es durch den Saal. Die Geschwister Hofmann und ihre Fans – das ist eben fast wie eine Familie. Berührungsängste gibt es da keine: Immer wieder flitzen die Sängerinnen ins Publikum, plaudern mit den Zuschauern, musizieren mit ihnen und singen gemeinsam mit ihren Fans allerhand Hits – nicht nur die eigenen, sondern auch Rock’n’Roll-Klassiker und Filmsongs.

Dass sie sich auch an Celine Dions „My heart will go on“ vergreifen und nicht mal annähernd die Stimmtiefe der Kanadierin erreichen, zeigt allerdings auch ihre Grenzen: Glasklar sind ihre Stimmen, aber auch beliebig. Doch das ist in Ordnung, etwas Besonderes erwartet hier sowieso keiner. Und mitsingen kann man bei der Dion nicht so leicht.


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