Raus aus dem Hintergrund ins Rampenlicht

Aus der musikalischen Fundgrube: Kammermusik mit Kontrabass in der Heilbronner Reihe „Unter der Glaspyramide“

Von Theophil Hammer

Immer wieder erweist sich Musikgeschichte als wunderbare Fundgrube. Die Kammermusikreihe der Kreissparkasse Heilbronn, am Freitag in die neue Saison gestartet, leistet diesbezüglich Vorbildliches. Diesmal gab es Kammermusik mit Kontrabass zu hören, vorgestellt von Nanna Koch, die auch als erste Geigerin fungierte.

Apart an diesem Programm war, dass nicht nur die Besetzung, sondern auch die Werke selbst Raritäten darstellten. Boccherinis Quintett D-Dur könnte man als „Kleine Nachtmusik auf spanisch“ beschreiben, einfach in der Faktur, effektbetont in der lautmalerischen Klangwirkung. Nanna Koch und Rebecca Boyer (Violinen), Theodor Nüßlein (Viola), Wolfgang Nüßlein (Violoncello) und Vladislav Riabokon (Kontrabass) machten ein Kabinettstück daraus, wobei es dem Hörer Schwierigkeiten bereitete, die sieben Einzelsätze zu identifizieren.

Dragonettis Quintett für solistischen Kontrabass, Violine, zwei Bratschen und Violoncello  (der Bratscher Götz Engelhardt trat an die Stelle von Rebecca Boyer) gab Riabokon ausgiebig Gelegenheit zu demonstrieren, wie virtuos und sanglich man auch auf dem Streich-Koloss spielen kann. Wobei in diesem Falle Virtuosität weniger mit Eleganz als mit körperlicher Schwerstarbeit zu tun hat.
Die Streicher-Kollegen ließen dem ansonsten eher unterbelichteten Instrument fast zu sehr den Vortritt. Die Oberstimmenführung hätte deutlicher ausfallen dürfen; der Begleitsatz hätte längst nicht so in Watt gepackt sein müssen.

Nach der Pause dann das Streichsextett D-Dur von Erich Wolfgang Korngold, ein erstaunliches Werk des noch nicht Zwanzigjährigen. Näher bei Richard Strauss als bei Reger oder Mahler angesiedelt, verbreitet dieses Opus aus der Zeit des Ersten Weltkriegs die nervöse Spannung und den Hang zur Überladenheit jener Epoche. Überspielt wird diese Unruhe durch grazil schmachtende Walzerklänge, wie sie das reizende Intermezzo bietet. Die sechs Künstler machten sich zum beredten Anwalt dieser rauschhaften Musik und ernteten dafür viel Beifall.