Nichts für Angsthasen

Jagsthausen  Jagsthausen - Trockene Premiere für das Kinderstück "Hänsel und Gretel" bei den Burgfestspielen. Auch Sterntaler, ein Prinz und die sieben Zwerge tauchen auf der Freilichtbühne auf.

Von Leonore Welzin

Nichts für Angsthasen

Unerschrockene Gretel (Nina Baukus), ein Hänsel (Sascha Littig) hinter Gittern und die furchterregende Hexe (Harriet Kracht).

Foto: Thomas Braun

Jagsthausen - Die Geschichte der Kinder eines Holzfällers, der mit seiner Frau im Wald lebt, fängt nicht gut an. Als Not und Armut zu groß werden, überredet die Frau den Mann, Hänsel und Gretel im Wald auszusetzen.

Der Holzfäller führt seine Kinder in den Wald, doch Hänsel hat die Eltern belauscht und legt eine Spur aus kleinen weißen Steinen, anhand derer sie zurückfinden. Der Plan gelingt erst beim zweiten Versuch: Dieses Mal haben Hänsel und Gretel nur eine Scheibe Brot dabei, die Krümel, mit denen sie den Weg markieren, werden jedoch von Tieren gefressen, und die Kinder irren durch den Wald.

"Das Märchenland ist kein Ort für Angsthasen"

In Szene gesetzt von Mathias Frank, ist das Märchen von "Hänsel und Gretel" der rote Faden des diesjährigen Kinder- und Familienstücks der Burgfestspiele in der Götzenburg Jagsthausen. Es beginnt mit einem Prolog: "Sterntaler" wandert einsam durch den finsteren Wald, eine Kulisse aus dunklen, schneebedeckten Tannen, wie ein großer Scherenschnitt.

Vom Band werden Nachtgeräusche eingespielt, Kuckucksrufe und Eulenschreie. Der Wächter des Märchenlandes stellt klar: "Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten". Sein Ton wird schärfer, Aufspannen von Sonnen- und Regenschirmen sei ebenso zu unterlassen, wie fotografieren, filmen, der moderne Schnickschnack sei auszuschalten. Und noch was: "Das Märchenland ist kein Ort für Angsthasen und Feiglinge!"

Musikalischer Schwung

Fee Edda (Barbara Krabbe) erlöst das Publikum von der Standpauke. Die geflügelte Lichtgestalt übernimmt die Rolle einer Erzählerin, hilft beim Navigieren durch diverse Handlungsstränge, die aus anderen Märchen auftauchen. "Rotkäppchen" ist auf dem Weg zur Großmutter, der Prinz aus "Aschenputtel" sucht den Schuh, der geklaut wurde. Ein Jäger und sieben Zwerge aus "Schneewittchen" sowie ein Geißlein tauchen auf und helfen wie auch die Trolle, das Eichhörnchen und der Bär beim Schieben der Tannen.

Musikalischen Schwung bringt der Akkordeon spielende Esel (Lukas Goldschmidt) aus den "Bremer Stadtmusikanten" ins Stück, das mit schauspielerischer und sängerischer Leistung brilliert. Allen voran Nina Baukus (Gretel), Julis Baukus (Rotkäppchen), Sascha Littig (Hänsel) wie die Darsteller mehrerer Rollen, Harriet Kracht (Stiefmutter, Hexe), Olaf Paschner (Vater, Stiefschwester) und Dan Glazer (König, Prinz, Wächter, Stiefschwester).

Hexe flüchtet auf dem Besen

Dramatischer Höhepunkt ist die Begegnung mit der Hexe. Sie lockt mit Lebkuchen, doch in Wahrheit macht sie Gretel zur Magd und will Hänsel mästen. Mit List gelingt es, den Spieß umzudrehen. Doch Hexe verbrennen geht heute nicht mehr, deshalb reitet sie auf dem Besen von dannen, während auf der Bühne ein glückliches Ende gefeiert wird.

Weitere Vorstellungen: www.burgfestspiele-jagsthausen.de