Neubeginn in der Fremde

Heilbronn - Emad Korkis hat einen Neuanfang gewagt. Vor vier Jahren ist der syrische Künstler aus politischen Gründen aus seiner Heimat geflohen, hat sein altes Leben hinter sich gelassen und sich in Deutschland Schritt für Schritt ein neues aufgebaut. Viele seiner Bilder, die jetzt in der VHS-Galerie im Deutschhof zu sehen sind, stehen unter dem Eindruck dieses Neubeginns.

Von unserem Redaktions- mitglied Renée Ricarda Billau
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Neubeginn in der Fremde
Emad Korkis spricht bei der Ausstellungseröffnung auch über seine ersten Jahre in Deutschland und das Leben als Asylbewerber.Foto: Renée Ricarda Billau

Heilbronn - Emad Korkis hat einen Neuanfang gewagt. Vor vier Jahren ist der syrische Künstler aus politischen Gründen aus seiner Heimat geflohen, hat sein altes Leben hinter sich gelassen und sich in Deutschland Schritt für Schritt ein neues aufgebaut. Das bedeutet für ihn: Schnee statt Wüste, deutsche statt arabische Sprache, Asylbewerberheim statt eigener Wohnung.

Viele seiner Bilder, die jetzt in der VHS-Galerie im Deutschhof zu sehen sind, stehen unter dem Eindruck dieses Neubeginns. Passend dazu ist die Schau mit dem Titel "Die Lust am Anfang" überschrieben.

Fast alle ausgestellten Arbeiten hat er in Deutschland gemalt. Doch mit seinen Farben hält er Verbindung zu seiner Heimat, der Wüstenstadt Al Hasakah. Sandiges Gelb und erdige Töne dominieren. Das hat auch damit zu tun, dass er seine Farben selbst herstellt, aus natürlichen Pigmenten, die er zum Beispiel aus Baumrinde und Erde gewinnt. Zusammen mit Papier und Leim schafft er eine plastische Struktur.

Isoliert

Korkis’ Bilder zeigen Landschaften, Tiere und Alltagsszenen. So malt er das Leben auf der Straße, häufig Menschengruppen, die isoliert voneinander stehen und somit das Gefühl von Ausgeschlossenheit symbolisieren. Auf einem Bild scheinen die Menschen von einer Smogwolke verschluckt zu werden.

Die Tiere in Korkis’ Werken stehen exemplarisch für alle Lebewesen. So verbindet er im Bild "Die Taube" die Empfindungen Liebe und Trauer, zu denen sowohl Mensch als auch Tier fähig sind. Ein weiteres Motiv zeigt einen Hund, der auf einem Streifen mit Strichcodes steht, darunter stehen die Namen von Hunderassen. Ein Symbol für unser Schubladendenken? Die Bilder des Syrers lassen Spielraum für eigene Interpretationen.

Malt Korkis Landschaften, zieht er den Blick des Betrachters in die Ferne, auf den Punkt, wo der Himmel die Erde berührt. So auch bei "Auf dem Weg", in dem der studierte Innenarchitekt Heilbronn verewigt. Autos fahren im gelben Schimmer der Dämmerung eine lang gezogene Straße entlang − die Allee.

Ebenso findet seine erste Erfahrung mit Schnee Eingang in sein Werk. Von kalten, deutschen Wintern kann sich Korkis noch viele Male inspirieren lassen: Nach dreieinhalb Jahren in Heilbronn hat er vor wenigen Monaten seine Aufenthaltserlaubnis bekommen.

"Die Lust am Anfang" ist bis 16. März, Montag bis Freitag von 9 bis 20 Uhr in der VHS-Galerie im Deutschhof zu sehen.


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