Mit Seide und gebürstetem Stahl

Heilbronn  Ingeborg Schäffler-Wolf ist tot. Die Künstlerin, die insbesondere wegen ihrer Textilkunst Ruhm erlangte, ist im Alter von 87 Jahren verstorben.

Von unserer Redakteurin Claudia Ihlefeld

Mit Seide und gebürstetem Stahl

Selbstbewusste Künstlerin: Ingeborg Schäffler-Wolf, 2008.

Foto: Archiv/Sawatzki

 

Die Städtischen Museen ihrer Geburtsstadt Heilbronn zeigten 2008 mit der Ausstellung "Ein verwirktes Leben", wie weit die Kunst von Ingeborg Schäffler-Wolf reichte, wie innovativ und über jeglichen provinziellen Mief erhaben ihre Textilarbeiten sind, ihre Objekte und Grafiken. Eine Einzelkämpferin, die international Spuren hinterlassen hat, und die, wie jetzt bekannt wurde, im Alter von 87 Jahren vergangenen Mittwoch im Heilbronner Krankenhaus gestorben ist.

Bereits während ihres Studiums von 1948 bis 1953 an der Kunstakademie in Stuttgart bei Willi Baumeister wandte sich Schäffler-Wolf der Textilkunst zu. Sie ging in die USA, hatte schon die Greencard sprich Aufenthaltsgenehmigung und Kontakte in New York − unter anderem zu dem Architekten Frank Lloyd Wright− und kehrte doch bald zurück. Um die kranke Mutter zu pflegen: eine Frauenkarriere.

Arbeiten für den öffentlichen Raum

Viel hat sie später für den öffentlichen Raum geschaffen, Arbeiten entstanden unter anderem für die Staatliche Gehörlosenschule Heilbronn, die Aussegnungshalle in Lauffen, für Bad Wildbad, die Landesgirokasse Stuttgart, die deutsche Botschaft in Teheran, das Goethe-Institut London, für das Bundesinnenministerium in Bonn und den Landtag von Baden-Württemberg.

An der Restaurierung der Uhr am Heilbronner Rathaus war sie beteiligt ebenso an der Gestaltung der Freiflächen des Heilbronner Behördenzentrums. Ihre Arbeiten befinden sich im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart, im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe und in der Sammlung der Städtischen Museen Heilbronn − ohne Aufhebens: typisch für diese selbstständige und stolze Frau, eine liebenswürdige, streitbare Künstlerin.

Die Künstlerin war auch Bildhauerin

Die abstrakte, gewebte Tapisserie war der Schwerpunkt der vielfach mit Preisen Geehrten. Wenn sie ihre Webarbeiten auf lichtreflektierende Edelstahlkästen aufzog, wirkten sie mal wie metallisch schimmernde Farbflächen, mal wie Reliefs. "Zuerst war es Wolle − oder noch aus der Hinterlassenschaft der Kriegsjahre − das Haargarn. Aus diesen Restgarnen entstand meine erste Arbeit. Dann kam mit der Suche nach härteren Ausdrucksformen die Leine und ... die Seide." Auf die Seide folgten gebürsteter Stahl, dazu Holz, Beton und Gips − die Textilkünstlerin war auch Bildhauerin.

Zurückgezogen lebte Ingeborg Schäffler-Wolf in den letzten Jahren in ihrem Haus in Willsbach, das ihr Mann, der Architekt Albert Schäffler entworfen hatte. Ein Kleinod im Bauhaus-Stil. Im letzten Sommer hatte sie mit Dieter Brunner, dem ehemaligen Ausstellungsleiter der Städtischen Museen, über die Idee gesprochen, Wohnhaus und Atelier als Museum zu gestalten.