Mit Erzähltalent und viel Gestaltungskraft

Würdevoll nimmt er am Flügel Platz, sammelt sich.

Von Monika Köhler

Obersulm Würdevoll nimmt er am Flügel Platz, sammelt sich. Und macht ein paar Takte später seinem vorauseilenden Ruf als „hoch talentierter Nachwuchspianist“ alle Ehre. Burak Çebi, 1985 in Izmir (Türkei) geboren, Student und Meisterschüler in seiner Heimat und in Nürnberg sowie Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, lässt sich im Kulturhaus auf das Abenteuer ein, das da heißt: der Ausdruckssprache eines Komponisten so nahe wie möglich zu kommen. Da Noten dabei nur stören würden, spielt er die anspruchsvollen Werke allesamt auswendig.

Das prunkvolle Grave Adagio in Bachs Partita c-Moll durchzieht er mit filigranen Lichtfäden, dem Fugato verleiht er pulsende Lebendigkeit, wie er überhaupt den jahrhundertealten Stücken mit exzellentem, feinsinnigem und ausdrucksstarkem Spiel frische Energie zuführt. So wird die Allemande zum Spaziergang an einem Frühlingsmorgen, das Capriccio ist mit verwegenen Sprüngen eine stete Wiedergeburt des Themas.

Spielerisch und doch mit inniger Hingabe fasst Çebi Mozarts Sonate D-Dur auf wie ein zu interpretierendes Kunstwerk: das Allegro mit sprühendem Esprit, das Adagio als von Regenschleier umschimmernde Klänge. Überall zeigt sich die bereits hoch entwickelte Gestaltungskraft des jungen Virtuosen, wenn er etwa das dramatische Klanggemälde aus Debussys Préludes mit Spuren heiterer Melancholie durchzieht, in Rachmaninows Variationen über ein Corelli-Thema mit technischem und schöpferischem Können brilliert oder Chopins Fantasie f-Moll als pathetisches Nachtstück anlegt, das mit perlenden Läufen, wie Worte gesetzten Akkorden und Forte-Ausbrüchen bei stets kontrolliertem Anschlag und Pedaleinsatz enorme Sogkraft entwickelt.

Als Gastgeschenk hat Burak Çebi drei Präludien seines Landsmanns Ahmed Adnan Saygun mitgebracht: moderne Charakterstücke, die mal dissonant aufbrausend, mal wie Herzschläge mit zornigen Repetitionen das große Erzähltalent des Pianisten zeigen. Dafür gibt es Bravos und langen Applaus. Auf eine Zugabe verzichtet Çebi. Was sollte man einer solchen Meisterleistung auch hinzufügen?