Miles Griffith: Wenn der Professor singt

Heilbronn - So, als ob er es gar nicht erwarten könnte endlich zu singen, stellt Miles Griffith seine drei Musikerkollegen halb singend, halb gurrend und glucksend vor. Aha, das also dürfen die Besucher des Cave 61 in etwa erwarten

Von Martin Nied

Heilbronn - So, als ob er es gar nicht erwarten könnte endlich zu singen, stellt Miles Griffith seine drei Musikerkollegen halb singend, halb gurrend und glucksend vor. Aha, das also dürfen die Besucher des Cave 61 in etwa erwarten. Wo Griffith ist, darf der Pianist Michael Jefry Stevens nicht fehlen.

Die beiden haben in verschiedenen Projekten zusammengearbeitet und sich Standards des American Songbook neu erarbeitet. Stevens und Griffith werden ergänzt durch den technisch versierten Dieter Ulrich aus der Schweiz und einen der derzeit besten Bassisten, Peter Herbert aus Österreich. So treffen auch zwei sehr unterschiedliche Kulturen der Improvisation aufeinander und ergänzen sich wunderbar.

Im Mittelpunkt steht der kürzlich zum Professor für Jazzgesang an der Columbia-Universität New York ernannte Miles Griffith. Er verfügt über eine warme Baritonstimme, die er kreativ einsetzt und damit weit über den eigentlichen Gesang hinausreicht. Er versetzt die Zuhörer in Staunen, wenn er mitten in seinem Gesang, der an die Traditionen der 40er und 50er Jahre anknüpft, die schöne, swingende Nostalgie mit wilden Scats und heftig gurrenden Lauten aufbricht.

Er singt Bluesballaden mit bezaubernder Sensibilität und beweist auf der Bühne immer wieder einnehmenden Humor. Er ist zutiefst davon überzeugt, dass „die Stimme das einzige Instrument ist, das mit allen über jegliche Grenzen wie Sprache, Geschlecht, Alter, soziale Klasse oder Rasse hinweg kommunizieren kann.“ Wie zum Beweis dafür bringt er seine Stimme quasi als viertes Instrument im Quartett ein, ohne sich über seine Partner hinwegzusetzen.