Malerei ohne Anfang und Ende

Heilbronn  Heilbronn - Werkschau von Rolf Friederichs am Energiestandort

Von Martina Kitzing-Bretz

Malerei ohne Anfang und Ende

Rolf Friederichs Gemälde "4. Dezember 1944".

Foto: Martina Kitzing-Bretz

Heilbronn - Der Name Rolf Friederichs ist in Heilbronn fest verbunden mit abstrakter, informeller Malerei in Acryl. Die umfassende Werkschau mit 86 Arbeiten am Energiestandort zeigt, dass der 2011 verstorbene Künstler auch figürlich und in Techniken wie Aquarell oder Radierung gearbeitet hat.

Überraschend gegenständlich fallen die Aquarelle auf Büttenpapier aus, die Friederichs seiner Heimatstadt Heilbronn, wo er 1937 geboren wurde, widmete. Im April 1985 und im Mai 1997 mit zarten Aquarellfarben auf weißem Papier festgehalten, sind Motive wie der Osthafen erkennbar. Locker skizzierend gibt er unter Einbezug des hellen, ausgesparten Malgrunds die Ansichten in klassischer, lichterfüllter Aquarelltechnik wieder.

 Grafikdesigner

Bereits in dieser Zeit arbeitet der diplomierte Grafikdesigner Friederichs als freischaffender Grafiker und Maler. Er überträgt die Technik des Aquarells auf die Acrylmalerei und hält seine Impressionen der Stadt in großformatigen Leinwandbildern fest. "Heilbronns Selbstverständnis", "Frühe Erinnerungen an Heilbronn" und "4. Dezember 1944" lauten die Titel einer Serie von Bildern von 1991, in denen der Künstler seine Wahrnehmung von Heilbronn als einer nach der Kriegszerstörung wieder aufgebauten Industrie- und Handelsstadt verdeutlicht. Ein skizzenhafter, nervöser Pinselduktus und eine expressiv übersteigerte Farbigkeit kennzeichnen dabei seinen persönlichen Zugang zur Heimatstadt.

In seinen Landschaftsimpressionen befreit sich Friederichs von der Gegenständlichkeit der Heilbronn-Bilder und gelangt zu einem freien Duktus, der Farbe und Linie eine vorherrschende Stellung einräumt. In Weiß und Schwarz ziehen die Linien unbegrenzt durch die Farbfelder der Landschaften und setzen sie mit ihrer erregten Geste unter Strom. Aufgeladen präsentieren sich in dem späten Bild "Sommernachtstraum" Rosa und Grün, Türkis und Violett auf weißem Leinwandgrund und setzen Assoziationen an Landschaftserlebnisse frei.

 Kraft der Linien

In seinen kleinformatigen Radierungen überträgt er die Kraft der Linie auf Bildfelder, deren Flächen die Grauwerte zwischen Schwarz und Weiß ausloten, und das Fließende der Natur wird auch in ihnen manifest. Doch umwerfend in der Kunst von Friederichs ist der Umgang mit Farbe, und neben köstlichen Kombinationen wie Ocker und Ochsenblutrot, die in "Schneefeld" gegen schwarze und weiße Farbfelder gesetzt sind, finden sich immer wieder die Grundfarben Rot, Blau, Gelb. Die Reduktion auf den Farbakkord im Zusammenspiel mit Schwarz-Weiß bringt die Kompositionen zum Klingen.

 Ausstellungsdauer

Bis 1. Juni in der Weipertstraße 41, Heilbronn, Montag bis Freitag 8 bis 16 Uhr.