Liebevolle Manipulation

Heilbronn  Nicolai Köppel dreht in Heilbronn die Gangsterkomödie "Spitzendeal". 61 Fans und neun Supporter unterstützen derzeit das Projekt finanziell per Crowdfunding.

Von Michaela Adick

Liebevolle Manipulation
Tatort Kilianskirche Heilbronn: Stefan Dittrich (buntes Hemd), Marc-Oliver Olschewski (Kappe) und hinter der Kamera: Nicolai Köppel. Foto: Dennis Mugler

Vertrauenswürdig sieht anders aus. Da hängen sie in der Kilianskirche ab, die Möchtegernganoven. Stefan Dittrich, in seinem kreischbunten Hemd. Till Maushake, der sich verdächtig relaxt zurücklehnt. Der Nachzügler Marc-Oliver Olschewski, der schnell in eine Kirchenbank hineinrutscht. Nicolai Köppel greift zu seiner handlichen Kamera.

Das Licht ist einwandfrei. Der Organist spielt Bach. Oder ist es Händel? Das war so nicht vorgesehen. Nicolai Köppel schüttelt den Kopf. Das ungleiche Quartett will schnell eine Szene nachdrehen, die beim letzten Dreh nicht ganz geglückt war. "Und ab." Von hinterhältigen Ohrwürmern hat man schon gehört. Auch von Filmszenen, die sich im Hinterkopf festgesetzt haben, ohne dass man noch wüsste in welchen Film sie gehören würden.

Nicolai Köppel, Buchhändler, Filmemacher und langjähriger Teilnehmer der Heilbronner "get shorties"- Lesebühne plagte ein anderes Problem. Er hatte irgendwann, irgendwo eine Folge der Vorabendserie "Parole Chicago" gesehen, die nach Kurzkrimis von Henry Slesar entstanden war. In der Hauptrolle: Der blutjunge Christoph Waltz, lange bevor er zu Tarantino-Ruhm und Oscar-Würden kam. "In der Folge tauchten zwei Kollegen-Gangster auf, planlose Männer, erdrückt davon, echte Männer sein zu wollen."

Mit Freunden Nicolai Köppel ließ der Plot nicht mehr los. Man müsste, dachte er sich. Und dann: Man könnte doch. Für seinen "Spitzendeal" trommelte er Freunde zusammen. Einen Kurzfilm würden sie drehen, ganz ohne Geld, vielleicht könnten sie ja später zu einem Crowdfunding aufrufen.

61 Fans und neun Supporter unterstützen derzeit das Projekt. 245 von erhofften 3000 Euro sind bislang eingetrudelt. Da ist noch Luft nach oben. Seit dem Sommer dreht der 41-Jährige: Nicht nur in der Kilianskirche Heilbronn, in der das Team herzlich willkommen geheißen wurde. Als Location-Scout in eigener Sache hat er düstere Parkplätze und Gewölbekeller aufgetan.

Ermutigt fühlt sich der gebürtige Berliner, der sein Handwerk an der Filmakademie Ludwigsburg gelernt hat, von Indie-Filmern wie Klaus Lemke. "Ihr müsst machen", erinnert sich Köppel an den Lieblingsspruch seines ungleich berühmteren Kollegen, der Zeit seines Lebens mit Laiendarstellern gearbeitet hat.

Nicolai Köppel mag das Spiel mit dem Unfertigen. Ein Blick auf die Uhr. In wenigen Minuten schließt die Kilianskirche. Längst ist die Orgel verstummt. Köppel, der als Drehbuchautor, Regisseur, Kameramann und Cutter in Personalunion die Fäden zusammenhält, ruft seine Mannen zur Ordnung.

Der Erfolg seines letzten Films "Heimspiel" macht ihm Mut. Der war nicht nur auf Festivals erfolgreich, sondern ist bei Youtube auf 2500 Clicks gekommen. Jetzt geht es erst einmal an die letzten Szenen, an die Nachsynchronisation und den Schnitt. "Ich liebe die Kunst der liebevollen Manipulation."

Crowdfunding

Wer die Filmproduktion "Spitzendeal" unterstützen möchte: www.startnext.de/spitzendeal