Kampf gegen Windmühlen

Heilbronn - Er hat am Mittwochabend die Choreographie im Großen Haus inspiriert: Sisyphos, der tragische Held der griechischen Mythologie. Toula Limnaios hat mit "every single day" das Festival für zeitgenössischen Tanz eröffnet.

Von unserer Redakteurin Claudia Ihlefeld

Kampf gegen Windmühlen

Die Schöne und der Wilde: Compagnie Toula Limnaios zum Auftakt von "Tanz! Heilbronn" im Großen Haus des Stadttheaters.

Foto: Thomas Braun

Heilbronn - Sisyphos, der tragische Held der griechischen Mythologie, ist für seine sprichwörtliche Strafe bekannt, die er von Zeus erhielt: einen Marmorblock immer wieder einen Berg hinauf stemmen, der dann, oben angekommen, stets aufs Neue herunterrollt.

Sisyphusarbeit nennen wir also eine schwere, sinnlose Tätigkeit ohne absehbares Ende. Und so arbeiten sich zum Auftakt von "Tanz! Heilbronn" auf der Bühne im Großen Haus sieben Tänzer und Tänzerinnen ab in einer Zeitschleife stetiger Wiederholungen, mit kleinen Variationen und Drehungen ihres Bewegungsvokabulars.

Bis nach gut einer Stunde ein Erdhügel von links hinten nach rechts vorne umgehoben ist, durchläuft die Compagnie Toulas Limnaios aus Berlin absurde, bizarre, aber auch poetische Momente zwischen Tagtraum und Wirklichkeit.

Ein Kampf gegen Windmühlen. Oder aber, mit dem französischen Philosophen Albert Camus gedacht, der den Sisyphosmythos umgedeutet hat: Erst die Herausforderung, etwas Unmögliches zu leisten, gibt der Sinnlosigkeit des Lebens einen Sinn. Camus" Existenzialismus hat die Choreographin Toula Limnaios inspiriert, mit dem Stück "every single day" die getanzte Version des Kampfes gegen Gipfel zu schaffen.

Anders als bei Camus, der sich Sisyphos aller Mühen zum Trotz als glücklichen, da zielorientierten Menschen vorstellt, scheint der Kampf dieser international besetzten Tänzerschar indes aussichtslos − doch bildstark und wirkmächtig. Das Publikum am Mittwochabend spendete reichlich Applaus.

 


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