Großer Verkannter: Erich Geßmann ist gestorben

Heilbronn - Er war der große Verkannte der Heilbronner Kunstszene, der viel gearbeitet hat, aber nie richtig zum Zug gekommen ist: der Bildhauer und Grafiker Erich Geßmann. Am Sonntag ist er nach einer Operation gestorben.

Von Andreas Sommer

Erich Geßmann bei einem Ausstellungsbesuch im Jahr 2007.Foto: Fentzloff

Heilbronn - Er war der große Verkannte der Heilbronner Kunstszene, der viel gearbeitet hat, aber nie richtig zum Zug gekommen ist: der Bildhauer und Grafiker Erich Geßmann. Am Sonntag ist er nach einer Operation gestorben. Am 16. August wäre er 99 Jahre alt geworden. Als Oppositioneller in der NS-Zeit verfolgt und als Parteiloser nach Kriegsende zum Kommunisten abgestempelt, musste er berufliche Nachteile in Kauf nehmen. „Die Befriedigung darüber, dass etwas gut geworden ist“: So hat Geßmann einmal den Stellenwert der Kunst in seinem Leben beschrieben.

Antifaschist Geboren 1909 in Holzhausen bei Göppingen, macht Geßmann nach der Schule in Kirchheim/Teck eine Bildhauerlehre und besucht von 1928 bis 1933 die Stuttgarter Akademie. Der Antifaschist gründet eine Kabarettgruppe, mit der er bei KPD- und SPD-Veranstaltungen auftritt. Das bringt ihm sechs Monate KZ ein, später wird er wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Belegt mit Ausstellungsverbot, hält er sich als Fotograf über Wasser. Der „Wehrunwürdige“ wird zu einer Strafdivision nach Tunesien eingezogen und gerät in US- Gefangenschaft.

Holzmaserung Nach dem Krieg arbeitet er als Werklehrer und freier Bildhauer und Grafiker in Ludwigsburg. 1950 heiratet Geßmann seine Frau Ingeborg, die 1926 in Heilbronn geboren wurde. 1954 zieht das Ehepaar nach Heilbronn. Holz ist sein Lieblingsmaterial, die menschliche Figur und ihre Schönheit sein Thema. Geßmann verehrt griechische Kunst und fühlt sich Maillol nahe. Seine gegenständlichen, stark reduzierten Figuren und Paare und deren Beziehungen charakterisiert er durch den Rhythmus der Linien und die Maserung des Tannenholzes. Der aufrechte, stets bescheidene Künstler lebt zurückgezogen, stellt selten aus. Er schafft Modelle für Schulen, Reliefs, Brunnen und Denkmäler. Trotz seiner Seh- und Hörprobleme nimmt er bis zuletzt am öffentlichen Leben teil.

Mit Ingeborg Geßmann trauern drei Kinder. Die Beisetzung findet heute in Heilbronn statt.