Gaffenberg-Festival: 3500 Besucher an vier Abenden

Heilbronn - Drei gut besuchte Abende mit 1000 Festivalfreunden und ein schwacher Samstag mit 500 auch jungen Fans: Das macht gut 3500 Besucher – und die gern zitierte schwarze Null bei einem Festivaletat von 200.000 Euro.

Von unserer Redakteurin Claudia Ihlefeld

Heilbronn - Als es noch "Dauerkarten" gab, war Christa Bürkle-Carius alle Tage dabei. "Ich bin ein Ur-Gestein des Gaffenberg-Festivals", sagt die 55-Jährige. Nun muss es mindestens ein Abend pro Festival sein, die Popolskis zum Auftakt am Mittwoch hat sie mitgenommen.

Am Samstag wollte die Erzieherin an der Heilbronner Alice-Salomon-Schule zur Irischen Nacht nach Lauffen. Die war ausverkauft, jetzt ist sie froh. "Moop Mama, große Klasse", begeistert sich die tanzwütige Frau. Die Jungs aus München kannte sie nicht, darin liegt der Reiz. "Die Festivalmacher finden immer etwas, das mich begeistert. Eigentlich sind die Künstler die besten, die ich noch nicht kannte", sagt Bürkle-Carius und bedauert, dass es nicht mehrere Acts an einem Tag gibt, wie früher. "Aber ich kann es verstehen, eine Frage der Finanzen."

Schwarze Null

Drei gut besuchte Abende mit 1000 Festivalfreunden und ein schwacher Samstag mit 500 auch jungen Fans: Das macht gut 3500 Besucher − und die gern zitierte schwarze Null bei einem Festivaletat von 200.000 Euro. Rudi Faul, der Vorsitzende der Heilbronner Kulturtage: "Wir sind zufrieden." In der Tat ist der Slogan "Gaffenberg − Mehr als ein Festival", der die Mitarbeiter-T-Shirts ziert, greifbar. Und nicht nur bei den 250 ehrenamtlichen Helfern, die unter anderem dafür sorgen, dass an den Essensständen, bei Bier und bei Wein im Gastgarten mit Schwäbisch-Hällischem Landschwein, Brot von Süddeutschlands erstem zertifizierten Slowbäcker aus Weinsberg und mehr Qualität über den Tresen wandert.

"Das Gesamtbild stimmt, Catering, Organisation, die vielen motivierten Helfer, die Stimmung, die Umgebung, das Familiäre, die Nähe zu des Stars. Und das Weizenbier aus dem Glas", sagt Mike Cremer. Der gebürtige Rheinländer aus Düren (50) ist Lebensmitteltechnologe bei Unilever und kommt seit Jahren regelmäßig unregelmäßig zum Festival. So wie Julia Hilker, die hier Leute trifft, die man lange nicht mehr gesehen hat. "Eine Wiedersehensstimmung, man feiert mit allen Generationen", so die 38-jährige Lehrerin, die aus Bielefeld stammt und einige Schüler entdeckt, aber auch Eltern. Kilian Engel (15) ist mit der fünfköpfigen Familie zu Moop Mama gekommen, um den Geburtstag des 22-jährigen Bruders nachzufeiern, der in Stuttgart studiert.

Preise reduzieren

"Man sollte darüber nachdenken", regt Julia Hilker an, den Eintrittspreis zu reduzieren. "Damit mehr Leute es wagen, unbekannte, aber sehr gute Bands zu sehen." Derweil denken die Macher darüber nach, das 28. Festival auf Anfang Juni zu verlegen. Denn: Mitte Juni bis Juli 2014 ist Fußball WM. Und: "Vielleicht sagen Künstler zu, die wir schon lange angefragt haben, die im Juli aber stets Urlaub machen", sagt Rudi Faul. Schließlich gilt bei aller Konkurrenz für das abgespeckte Festival auf dem bei gutem Wetter unschlagbaren Gelände: "Wir sind das Original."

Mike Rutherford, den sein Management nach dem Konzert nur mit Nachdruck aus dem Bad in der Menge im Biergarten holen konnte, aber auch Newcomer wie Menzel Mutzke von Moop Mama haben sich pudelwohl gefühlt. "Persönlich und doch professionell, Spitzen-Catering, unser bestes Festival in diesem Jahr", schwärmt Mutzke. "Das gibt man dann auf der Bühne weiter."