Fingerhakler gegen Kaulquappennummerierer

Bayerisches Meisterkabarett mit Gerhard Polt bei Würth

Von Michael Dignal
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Jetzt pass’n S’ mal auf: Gerhard Polt erklärt in Künzelsau die Welt.Foto: Dignal

Künzelsau - Das ist noch Kabarett aus landschaftsgesättigtem Schrot und Korn. Gespickt mit handfestem Vokabular und Watschen-Pointen. Da hört man die Belustigung aufsteigen wie Bierschaum, sieht man den Speichel der Empörung wie Funken sprühen. Ob es ums Saufen geht oder den europäischen Gedanken – man ist mittendrin. Denn der Mann, der das alles versinnbildlicht und unmittelbar verkörpert, ist Gerhard Polt.

„Jetzt pass obacht“, sagt er im Gaisbacher Alma-Würth-Saal. Dann folgt ein „Ja, entschuldigung, aber“ – und dann kommt’s. Also vom Gemeinderat wurde jetzt der Fingerhaklerverein bezuschusst, weil letztjährig schon die Maßkrugstemmer einen Zuschuss hatten. Und einen Abort im Leichenschauhaus wird’s auch geben, zur Belebung des Gemeindelebens. Kurz: „Kulturell ist bei uns die Hölle los.“

So ist er, der Polt, da er die Sachen ins rechte Licht rückt. Und schon ist er bei den größeren Zusammenhängen: „Als Ideen waren Kommunismus und Christentum nicht schlecht, aber ...“ Jetzt kommt nämlich erst mal die Freiheit, denn die haben wir hier in Deutschland nicht. Hier darf ja, anders als im freien Asien, nicht mal ein Kind ungestört 14 Stunden lang arbeiten, weil sich sofort die Tierschützer einmischen, „diese Kaulquappennummerierer“.

Bald verdichtet sich seine gemächliche Derbheit aber zu düsterer Erregtheit, weil er nun in politische Ungereimtheiten eindringt: Rechtschreibreform, Flugplatz Berlin-Schönefeld, Sachsen-LB, Abgeordnetenpensionen. „Das ist der Wahnsinn“, heult Polt, und es scheint ihm ernst zu sein, da ihn sein elektrisierter Zorn wie Elmsfeuer umzüngelt.

„Entschuldigung, aber was will denn so eine Minorität?“, wird er an anderer Stelle grundsätzlich. Demokratie gehöre eben der Mehrheit. Und: „Über drei Viertel der bayerischen Bevölkerung wollen überhaupt keine Minderheit. Das darf man ja auch mal sagen.“ Gerhard Polt in Bestform.

Dann Europa. Griechen und Römer, gut und schön, aber alles entstand „aus einer bayerisch-byzantinischen Keimzelle“. Und von der legendären Schlacht bei Ampfing, da wüssten auch die Finnen, die Pisa-Gewinner, nichts – „ja, entschuldigung!“ Bei ihm daheim würde man den Europa-Gedanken schon praktizieren und der tschechischen Partnergemeinde demnächst die Sondermülldeponie aufbauen, daran würden auch die Kaulquappennummerierer nichts mehr ändern.

Polts hinterlistig-brachiales Kabarett ist, trotz oder weil ur-bayerisch, noch immer überregional wirksam. In Gaisbach – an zwei Abenden ausverkauftes Haus – konnte man sich ein Bild davon machen.


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