„Ernsthafte Künstlerin und sensible Persönlichkeit“

Nanna Koch mit dem Förderpreis für Neue Musik 2008 ausgezeichnet – Konzert in der Musikschule

Von Monika Köhler

Nanna Koch bedankte sich für den Preis mit einem Solokonzert.Foto: Köhler
Heilbronn - „Was muss geschehen, damit sich junge Menschen mehr für Neue Musik interessieren?“ Bei der sechsten Verleihung des Förderpreises für Neue Musik 2008 lässt sich der Frage von Musikschulleiter Matthias Schwarzer noch eine andere anschließen: Was muss geschehen, damit offizielle Vertreter der Stadt an solch beachtenswerten Veranstaltungen teilnehmen?

Zwar geht der Preis mangels Teilnahme in dieser Kategorie beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ dieses Mal nicht an den musikalischen Nachwuchs. Doch setzt der Förderkreis, so Vorsitzende Jacqueline Freifrau von Houwald, Zeichen, indem mit Nanna Koch, stellvertretende Konzertmeisterin des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn (WKO), eine Musikerin ausgezeichnet wird, die sich in vielerlei Hinsicht um die Neue Musik verdient gemacht hat.

Verständlich, dass beim Schirmherr des Preises und Chefdirigent des WKO, Ruben Gazarian, die Freude über die Auszeichnung „besonders groß“ ist. Bei der Vergabe in der Städtischen Musikschule im K3 lobt er Koch als „ernsthafte Künstlerin mit profunden musikalischen Kenntnissen und als aufrichtige, hochsensible Persönlichkeit“.

Kompositionsauftrag

Wie sehr sich Nanna Koch, die das Preisgeld von 1000 Euro einem Kompositionsauftrag für Neue Musik zuwenden wird, in die jeweilige Musiksprache einfindet, ist beim auswendig gespielten Preisträgerkonzert zu erleben, einem Auszug aus ihrem Soloprogramm „Metamorphosen“, mit dem sie „Brücken schlägt zwischen klassischem Repertoire und Neuer Musik“. Durchsichtig ziehen in der Fuga aus Bachs Sonate C-Dur Trauer und Hoffnung durch die Motivik mit reich blühendem Fugato.

Gegenbewegungen und avantgardistische Klangmuster mit asiatischem Einschlag lösen in Isang Yuns „Königlichem Thema“ von 1976 die Strenge des Bachschen Tongefüges auf. Stimmungsvoll werden bei Klebe und Hindemith „meteorologische Zustände und Ereignisse“ beschworen: Der Zwölftonmusik verpflichtet, lässt das Capriccio „Vor dem Gewitter“ mehrstimmig und durchzuckt von Klangblitzen tonale Momente zu; geradezu polytonal erscheint die Sonate „Es ist so schönes Wetter draußen“, die mal optimistisch vorauseilt, mal sinnend verharrt. Technisch brillant vereint Koch in der G-Dur-Sonate von Eugène Ysaÿe schließlich Bogenstriche und Pizzikati der linken Hand zu berührenden, fernöstlichen Stimmungsbildern zwischen Morgenröte und Bauerntanz.