Erfüllte Sehnsucht

Heilbronn - Die Heilbronner Schriftstellerin Ingeborg Pilgram-Brückner ist gestern im Alter von 88 Jahren gestorben. Sie hat sich intensiv mit dem Tod beschäftigt, etwa in ihren Gedichten.

Von unserem Redakteur Uwe Grosser

Erfüllte Sehnsucht

Ingeborg Pilgram-Brückner bei einer Lesung 2009.

Foto: Archiv/Sawatzki

 

Von unserem Redakteur Uwe Grosser

Heilbronn - Die Vergänglichkeit war für Ingeborg Pilgram-Brückner schon immer ein Thema, mit dem sie sich literarisch befasst hat, in Gedichten, Aphorismen und Betrachtungen. Doch auch in privaten Gesprächen fielen immer wieder Sätze wie: "Die Tür nach drüben ist auf, ich habe aber keine Angst davor." Diese Tür hat sie jetzt durchschritten: Die Heilbronner Schriftstellerin ist am Sonntagmorgen im Alter von 88 Jahren gestorben.

Es war eine enorme schöpferische Kraft, mit der die bis ins hohe Alter vitale Autorin sich dem Leben stellte. Und immer war sie - mit fast kindlicher Neugier - auf der Suche nach Antworten auf die vielen Fragen, mit denen sie der Welt begegnete. In fast 40 Büchern hat diese Suche ihren literarischen Ausdruck gefunden.

Journalistin

Die am 2. Juli 1924 in Heilbronn geborene Ingeborg Brückner beginnt aber zunächst mit journalistischem Schreiben: 1954 wird sie Redakteurin der Heilbronner Stimme, wo sie bis 1965 für Lokales, die Kinder- und Jugendseite und Wandertipps zuständig ist. Stimme-Verleger Frank Distelbarth, mit dem sie bis zu dessen Tod im vergangenen Jahr eine tiefe Freundschaft verbunden hat, schickt sie 1965 als Korrespondentin nach Béziers, um am Aufbau der Städtepartnerschaft mit Heilbronn mitzuarbeiten. Dafür zeichnet die Stadt Béziers sie mit der Ehrenmedaille aus.

Danach baut sie die Bezirksredaktion Nord des Evangelischen Pressedienstes (epd) auf, die sie 20 Jahre lang bis zu ihrer Pensionierung leitet. In der Zeit lernt sie den Wirtschaftsjournalisten Heinz Dieter Pilgram kennen, den sie 1970 heiratet. Ihre Heimatstadt Heilbronn verleiht ihr im Oktober 2011 die Goldene Münze der Stadt.

Freiheit

Trotz ihrer evangelischen Wurzeln hat sie sich gern als "christlich geprägtes Heidenkind" bezeichnet. Denn die Freiheit im Denken war ihr das wichtigste Gut. Die hat sie sich bis zum Schluss bewahrt. Ihr letztes Buch, "Und bunte Blätter fallen mir entgegen", hat sie 2011 veröffentlicht. Dennoch hat Ingeborg Pilgram-Brückner weiter geschrieben, Tag für Tag, für sich selbst und ihren Freundeskreis. Selbst auf dem Sterbebett machte sie noch Notizen und schrieb ihre Gedanken nieder.

In dem Gedicht "Der leuchtende Engel", das vor etwa einem Jahr entstanden ist, brachte sie mit großer sprachlicher Kraft eine nun gestillte Sehnsucht zu Papier, die bis zuletzt im Zentrum ihres Denkens stand: "Hast du mich denn ganz vergessen, / Engel Tod? Ich harre dein. / Ja, mein Wünschen ist vermessen, / und ich spüre unterdessen / auch die Freude an dem Sein. / Hab des Lebens Fülle tausendfach besessen, bin jetzt müde. Es ist dein Ermessen. / Engel Tod, ich harre dein ..."