Emotionales Feuerwerk

Klavierabend mit der Karlsruherin Daniela Willimek auf Schloss Horneck

Von Leonore Welzin

Emotionales Feuerwerk
Eine feinsinnige Interpretin ist Daniela Willimek.Foto: Leonore Welzin

Gundelsheim - Hätte sie nach dem letzten Ton nicht sanft den Deckel zugeklappt, das Publikum im Festsaal auf Schloss Horneck hätte gern weiter applaudiert, mehr von der bravourösen Tastenartistin gehört. Auch wenn mehr Zugaben nach Rimsky-Korsakows "Hummelflug" und Brahms" As-Dur Walzer nicht zu haben waren, gehört das Klavierkonzert von Daniela Willimek zu den Sternstunden des Neckar-Musikfestivals 2010.

Der Abend frei nach Gershwins "Rhapsody in Blue" betitelt, widmet sich zunächst den Jubilaren Frédéric Chopin (1810-1849) und Robert Schumann (1810-1856). Die Karlsruher Pianistin beginnt mit einem leidenschaftlichen Aplomb, setzt dem dramatischen Gestus aus unruhiger Suche und wilder Klage in Schumanns Romanze b-Moll op.28 jene seiner Frau Clara in es-Moll entgegen, eine sensibel tastende Suchbewegung. Lässt als Dritten ihren Liebhaber Johannes Brahms mit zwei Intermezzi (a-Moll, A-Dur) und einer Ballade (g-Moll) zu Wort kommen. Rauschhaften Klangwelten ausgeliefert, so stellt sich der schicksalhafte Bund des Trios dar, den Chopins Scherzo cis-Moll op. 39 wie beiläufig kommentiert, indem er gegensätzliche Stimmungslagen geschickt ausbalanciert.

Virtuoses Spiel

Schumann ist tot, es lebe Schumann! Als virtuos geniale Interpretin übertrifft sich Willimek im zweiten Teil selbst mit Claras Variationen über ein Thema von Robert Schumann op. 20 und Chopins Ballade g-moll op. 23. Immer mit geschlossenen Augen, in den Klang versunken, den sie dem basslastigen Flügel entringt. Mal verspielt streichelnd, die Finger zärtlich auflegend, mal wuchtig tobt sie durch Höhen und Tiefen der Tondichtungen und macht wahr, was Robert Schumann geäußert hatte: "Eine von Chopins wildesten und eigentümlichsten Kompositionen."

Prächtiger Schlusspunkt

Akte der Selbstbefreiung, abtauchen in eine Welt reinen Empfindens, nie das analytische Vermögen außer Acht lassend − wie die Erläuterungen zu den Stücken belegen −, setzt die Pianistin mit symphonischem Jazz, der "Rhapsody in Blue" einen klangfarbenprächtigen Schlusspunkt.