Die nächste Rolle? Da könnte es was geben

Heilbronn - Seit mehr als fünf Jahrzehnten spielt sie: Ingrid Richter-Wendel ist 80 Jahre alt − Geburtstagsmatinee in den Kammerspielen

Von unserer Redakteurin Claudia Ihlefeld

Die nächste Rolle? Da könnte es was geben

"Am Theater kannste alt werden": Vier Intendanten hat sie erlebt, seit 1969 ist Ingrid-Richter Wendel Ensemblemitglied am Heilbronner Theater.

Foto: Guido Sawatzki

Aufhören? "Kommt nicht in Frage", hat sie vor zehn Jahren gesagt. In den "Vagina Monologen" von Eve Ensler stand Ingrid-Richter Wendel im Januar 2003 auf der Bühne, eine Paraderolle für die damals 70-Jährige. Diese Einstellung ist geblieben, wie auch die Überzeugung, dass "sich das Theater, die Welt und jeder Mensch ständig verändert". Das ist es, was ihre Neugier am Spiel ausmacht.

"Ich bin immer noch auf der Suche." Die rotgetönten Haare sind straff aus dem Gesicht nach hinten gekämmt. "Aber, ich bin zufrieden." "Rollenaneignung von den Zehenspitzen" nennt Richter-Wendel ihre Arbeitsweise. "Wenn es gelingt, ist es gut. Wenn nicht, ham wer Pech gehabt."

Die nächste Rolle? Da könnte es was geben

"Brecht war auch Komödiant": Ingrid Richter-Wendel 1993 als Mutter Courage in Bert Brechts gleichnamigem Drama im Großen Haus.

Foto: Archiv/Heidelind Andritsch

Seit 1969 ist die gebürtige Preußin aus dem Spreewald Ensemblemitglied des Heilbronner Theaters − und somit die Einzige aus der Vor-Klaus-Wagner-Ära.

Die nächste Rolle? Da könnte es was geben

Kurzgeschoren in Auschwitz: "Spiel um Zeit" (1987).

Foto: Archiv/Andritsch

Nach dem Tod ihres ersten Mannes, einem Regisseur, der mit dem damaligen Intendanten Walter Bison zusammengearbeitet hatte, fasste sich die junge alleinerziehende Mutter ein Herz und bat um ein Vorsprechen in Heilbronn. "Machen Sie einmal einen Ausbruch", wollte Bison hören ob ihre Stimme trägt. Sie hätte da aber noch mehr zum Vorsprechen, gab Richter-Wendel zu bedenken. "Danke, das genügt."

Die nächste Rolle? Da könnte es was geben

Mit Mario Gremlich in "Sechs Tanzstunden in sechs Wochen" (2009).

Foto: M 42

Alles mögliche hat sie seither gespielt, zuerst im Gewerkschaftshaus, in der Alten Kelter, dann am Berliner Platz. Sie war Königin und Dienerin, Mutter und Tochter, Geliebte, Puffmutter, Liebende und Furie. Vier Intendanten hat sie erlebt, am Sonntag wird Ingrid Richter-Wendel 80 Jahre alt.