Die kleinen Fluchten des Charlie Augschöll

Heilbronn - Max Greger junior und Band zu Gast im Jazzclub Cave 61

Von Martin Nied
Die kleinen Fluchten des Charlie Augschöll

Max Greger jun.

Foto: Martin Nied

Heilbronn - Diesmal ist das Trio von Max Greger junior mal zu viert zu Gast im Cave. Greger am Piano, Mini Schulz am Bass und Heini Altbart am Schlagzeug werden verstärkt von dem Tiroler Saxophonisten Charly Augschöll. Und genau dieser Gast aus Tirol sorgt auf der Bühne für Aufregung.

Spielfreude

In der Triobesetzung sind die Mannen um Max Greger ein eingespieltes Team, das die Mainstream-Standards routiniert hoch- und herunter spielt. Wie ein Enfant terrible setzt Augschöll in diesem Fluss aus geölter Routine seine musikalischen Akzente. Voller Leidenschaft und Spielfreude lässt er sein Saxofon jaulen, wimmern, röhren, lallen und bläst sich dabei beinahe die Lunge aus dem Leib. Doch dann reiht er sich wieder in Fluss ein, lässt sich bei einer Ballade von deren verträumter Geschichte treiben irgendwo zwischen Night And Day − Belanglosigkeit aus der Ecke "Gern gehört − viel verlangt".

In diesem Zusammenhang darf ein Titel nicht fehlen: "Route 66". Die fahren die vier dann auch genüsslich rauf und runter. Greger singt und das Saxofon gibt Gas. Es hat den Anschein, dass die vier nun auf das zufahren, was die überwiegend älteren Gäste erwarten: das Schlagzeugsolo von Heini Altbart, gleich nach der nächsten Linkskurve. Aber Fehlanzeige! Diesmal dürfen alle außer dem Drummer.

Ekstatische Ausrufe

Erst im nächsten Stück, der Name ist Programm, es heißt "I Got Rhythm", ist es dann soweit. Noch ein paar kleine Vorgeplänkel der Band, dann schlägt seine Stunde. Altbart lässt seine Schlagstöcke rattern, wirbeln, tänzeln und treibt damit sein Publikum zu ekstatischen Ausrufen und Pfiffen. Und es hat ganz den Anschein, als ob er gar nicht mehr damit aufhören möchte. Sein Solo dauert und dauert, ohne dass der berühmte Arzt endlich kommt.

Gefühlte zwei Stunden später betreten die restlichen Musiker wieder die Bühne, um das Gershwin-Stück zu beenden. Das zweite Set verläuft ohne besondere Vorkommnisse, sieht man von den kleinen Fluchten des Charly Augschöll ab.


Kommentar hinzufügen