Die Zerbrechlichkeit herausfordern

Neckarsulm/Florenz - In den kommenden Monaten wird eine kleine dünne Glasscheibe eine Reise rund um den Globus starten und durch die Hände von über 740 Künstlern aus 62 Ländern gehen. In Florenz beginnt die Reise, und dort wird sie auch enden.

Von Julie Dutkowski
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Neckarsulm/Florenz - In den kommenden Monaten wird eine kleine dünne Glasscheibe eine Reise rund um den Globus starten und durch die Hände von über 740 Künstlern aus 62 Ländern gehen. In Florenz beginnt die Reise, und dort wird sie auch enden. Dazwischen wird das Objekt überreicht: im Rahmen einer Performance von einem Künstler zum nächsten, mit dem Auftrag, verantwortungsvoll, vertrauensvoll und kreativ mit dem Gegenstand umzugehen.

"Kann ein zerbrechliches Objekt in Zeiten von E-Mail, Chat und Mobilität ein Mal sicher um die ganze Welt reisen − von Hand zu Hand, sich mit Geschichten und Menschen aufladend? Wird es dasselbe sein, wenn es zurückkommt?", fragen Verena Stenke und Andrea Pagnes, die Gründer der Aktion "Fragile − global performance chain journey".

Freundschaften Stenke, gebürtige Neckarsulmerin, und ihr Ehemann und Partner Andrea Pagnes arbeiten seit Jahren als Performance-Künstlerpaar VestAndPage in Florenz im Bereich der Performance- und Video-Kunst. Sie präsentieren ihre Darbietungen und Werke auf Festivals, Treffen, Ausstellungen, Biennalen und Events in Europa, Asien, Südamerika und den USA. "Bei Kunstfestivals auf der ganzen Welt entstehen unter den teilnehmenden Künstlern oft enge Freundschaften", erklärt Stenke die Idee hinter dem Projekt. "Nicht immer ist es möglich, sich wieder zu sehen. Mein Anspruch war, alle zu vereinen, dass alle gemeinsam an einem Projekt arbeiten können."

Unter den Teilnehmern sind Maler, Sänger, Musiker, Komponisten, Schauspieler, Galeristen, Grafiker, Fotografen und andere zeitgenössische Künstler. Jeder wird sich eine Performance überlegen, also die Art wie er das Objekt zur nächsten Person bringen wird. "Die Glasscheibe soll dabei benutzt, aber nicht zerstört oder willentlich optisch verändert werden", erklärt Stenke.

Sechs Kontinente Die Wege sind dabei immer so kurz wie möglich gehalten, denn jeder Künstler zahlt seine Reise selbst. Und dennoch wird die Glasscheibe sechs Kontinente erreichen: Europa, Südamerika, Nordamerika, Australien, Asien und Afrika und von dort wieder zurück nach Europa. Die Künstler dokumentieren ihre Aktionen mit Fotos, Videos und Textbeiträgen, die online auf der Website des Projekts und bei Youtube angeschaut werden können. "Nach erfolgreicher Rückkehr der Glasscheibe nach Florenz wird ein Dokumentations-Katalog mit Fotos der Teilnehmer publiziert", sagt Stenke.

Seit Monaten steckt das Paar viel Arbeit in dieses Projekt "Wir kommunizieren in fünf Sprachen, updaten und designen die Website und akquirieren Partner und Förderer. Und das noch ohne jegliche finanzielle Unterstützung".

Das Fragile-Projekt ist für Stenke und Pagnes mehr als nur eine spannende Aktion: "Wir glauben, eine Intention in die Welt zu tragen: Wir sind nicht alleine und wir tragen alle eine Verantwortung − für unser Leben, die Gesellschaft und unseren zerbrechlichen Planeten." Ihr Ansporn ist, über Grenzen hinweg gemeinsam für eine Sache zu arbeiten und dabei künstlerischer Vielfalt eine Plattform zu bieten. "Wir haben damit ein aktuelles und weitgreifendes Thema aufgegriffen: Zerbrechlichkeit."


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