Die Baustelle wird (vorübergehend) geschlossen

Rechtschreibreform: Von nun an gilt es. Die Übergangszeit ist vorbei, die Regeln sind verbindlich. Ab heute gibt es keine Kulanz mehr, wenn Schüler die Reform der Reform nicht beherzigen.

Von Uwe Grosser
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Die Baustelle wird (vorübergehend) geschlossen
Viel rumgewerkelt wurde in den vergangenen elf Jahren an der deutschen Rechtschreibung. Jetzt ist sie nach einjähriger Übergangsfrist verbindlich.Foto: dpa

Von nun an gilt es. Die Übergangszeit ist vorbei, die Regeln sind verbindlich. Ab heute gibt es keine Kulanz mehr, wenn Schüler die Reform der Reform nicht beherzigen. Wer künftig auseinander gehen statt auseinandergehen schreibt, bekommt das als Fehler angestrichen. Auch die deutschen Zeitungen und Nachrichtenagenturen stellen ihre Schreibung mit dem heutigen Tag um auf das reformierte amtliche Regelwerk.

Chronologie Elf Jahre ist es her, dass die Rechtschreibung reformiert wurde und das Ergebnis auf viel Widerstand stieß. 1999 stellten die meisten Zeitungen um auf die reformierte Schreibweise, erlaubten sich aber Ausnahmen. Im Juni 2004 setzten die Kultusminister aufgrund des Durcheinanders den Rat für deutsche Rechtschreibung ein, der besonders umstrittene Themen klären sollte. Die Vorschläge des Rats wurden am 2. März 2006 von den Kultusministern abgesegnet und traten am 1. August 2006 in Kraft. Nach einer einjährigen Übergangsfrist ist die Reform der reformierten Rechtschreibung ab heute verbindlich.

Überhaupt keine Änderungen gegenüber 2004 gibt es bei der Laut-Buchstaben-Zuordnung und bei der Schreibung mit Bindestrich. Der Großteil der Neuerungen betrifft die Getrennt- und Zusammenschreibung, denn hier war der meiste Unmut laut geworden. Sitzen bleiben ist nun mal nicht gleich sitzenbleiben. Ersteres tut man auf dem Stuhl , Letzteres in der Schule. Jetzt ist die Zusammenschreibung wieder erlaubt. Betroffen von den Veränderungen sind außerdem die Groß- und Kleinschreibung, die Zeichensetzung und die Worttrennung am Zeilenende.

Der größte Teil der 2006er-Reform sind Zurücknahmen der 1996er-Reform, es ist also eine Rückkehr zur klassischen Schreibweise. In vielen Fällen sind jetzt allerdings beide Schreibweisen erlaubt. Um den Zeitungslesern ein Kuddelmuddel zu ersparen, haben die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen sich auf jeweils nur eine Schreibweise geeinigt. Es sei denn, die unterschiedlichen Schreibweisen haben unterschiedliche Bedeutungen wie sitzen bleiben und sitzenbleiben. Im anderen Fall wie bei glatt hobeln und glatthobeln soll einheitlich glatt hobeln geschrieben werden. Insgesamt bietet das amtliche Regelwerk bei etwa 2500 Wörtern unterschiedliche Schreibweisen an wie Delfin und Delphin. Das sind etwa zwei Prozent aller Wörter, die in den Wörterbüchern verzeichnet sind.

Empfehlungen Bei ihrer Entscheidung für eine einheitliche Schreibweise orientieren sich die Nachrichtenagenturen und auchunsere Zeitung an den Empfehlungen der Wörterbuchverlage Duden und Wahrig (Duden, 24. Auflage, 2006; Wahrig „Ein Wort - eine Schreibung“, 2006). In 500 Fällen weichen Duden und Wahrig voneinander ab. Hier kehren wir meist zur Vor-Reform-Variante zurück. Unter www.die-nachrichtenagenturen.de steht eine Liste mit 1500 Wörtern, die die Schreibweisen der Zeitungen dokumentieren. Auf Ableitungen wird verzichtet: Wer selbstständig schreibt, schreibt auch Selbstständigkeit. Insgesamt verwenden wir in 80 Prozent der Fälle Schreibweisen, die auch vor der Reform gültig waren.

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