Derb, komisch und mitten aus dem Leben

Heilbronn - Im Monolog-Stück "Nichts Schöneres" spielt Cosima Greeven im Kaffeehaus Hagen wie ein Feuerwerk.

Von Kirsten Weimar

Derb, komisch und direkt und mitten aus dem Leben

Cosima Greeven als Mechthild, der das Leben nichts geschenkt hat.

Foto: Weimar

 

Heilbronn - Die Endfünfzigerin Mechthild Huschke hat ihre besten Jahre längst hinter sich − und so richtig toll waren die auch nicht. Jetzt sitzt sie in ihrem schäbigen Zimmer, etwas abgewrackt, und wartet. Auf den Studenten, der ihr ein Gedicht geschrieben hat. Kennengelernt per "Annongse".

Die freundschaftliche Beziehung auf Nähe und Distanz. "Du Scheiße. Mechthild − jetzt liebt dir doch mal eener." Mechthild, die erst mal Pointe auf Pointe raushaut, in einem Redeschwall über ihren Liebesgast und Nachbarin Greeve herzieht.

Lausitzer Dialekt

Sehr direkt ist das Mundwerk von Mechthild. Derb und gewöhnlich im besten Lausitzer Dialekt. Etwas gewöhnungsbedürftig, schräg, traurig und doch komisch, so wie die Mechthild. "Boulevard-Komödien" nennt Autor Oliver Bukowski seine Stücke. Er hat in den 90er Jahren viele Gespräche mit den Menschen im Osten geführt, ist selbst in Cottbus geboren und weiß, wie die Leute ticken. Mitten aus dem Leben gegriffen ist seine Mechthild, wenn sie ihre Gartenstühle zusammenbaut, sich schminkt, aufbrezelt und beiläufig ihr Leben erzählt. Von ihrem Ex Dieter, der ihr in den Bauch getreten, Alkohol gesoffen und ihr mit dem Ehering das Gesicht zerschlagen hat.

In Bukowskis Stück "Nichts Schöneres" wird überhaupt nichts beschönigt, sondern es konfrontiert mit der hässlichen Wirklichkeit. Wie ein Feuerwerk spielt Cosima Greeven im Kaffeehaus Hagen die Mechthild. Tobt über die Bühne, durch ihre karge Einzimmerwohnung, hat ihre stärksten Momente, wenn sie sich hingebungsvoll schminkt und dabei von ihrer Zeit in der "Klapse" schwadroniert und wild gestikuliert.

Sechs Jahre gab es für die Zerhäckselung ihres Ex Dieters. Drei Jahre im Gefängnis und drei Jahre Psychiatrie. Dort, auf "Bonnies Ranch", wehrt sie sich gegen den "Therapastor", zerdrischt das Schlagzeug, haut dem Pfleger in der Musikgruppe die Posaune um die Ohren und landet schließlich in der Einzelzelle.

Spott und Gewalt

Cosima Greeven spricht ohne Pause, gestikuliert, fragt dann wieder unschuldig im Publikum nach der Uhrzeit, denn ihr Student kommt ja gleich und bringt dabei eine schreckliche Wahrheit nach der anderen wie kleine amüsante Alltagsgeschichten über ihre Lippen. Am Ende bleibt das Lachen endgültig im Hals stecken. Längst ist klar, dass der liebevolle Student nie kommen wird.

Es bleibt das Bild, einer einsamen gezeichneten Frau, die in ihrem Leben nichts als Zuneigung gesucht und immer nur Spott, Gewalt und Ärger kassiert hat. Oliver Bukowski Monolog − Theater, im Heilbronner Kaffeehaus Hagen ausdrucksstark umgesetzt von Regisseur Christian Marten-Molnár.

Weitere Aufführung

11. Juli, 20.30 Uhr, Kaffeehaus Hagen.