Der Wanderzirkus ist angekommen

Heilbronn - Aber irgendjemand muss doch schuld gewesen sein. So einen Jazzclub gründet man doch nicht so eben. Ohne Geld, ohne das, was man heute als Vitamin-B wie Beziehungen bezeichnet. Vorsichtig hakt SWR-Journalistin Katja Schlonski nach. Wozu hat man denn Zeitzeugen eingeladen?

Von Michaela Adick
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Heilbronn - Aber irgendjemand muss doch schuld gewesen sein. So einen Jazzclub gründet man doch nicht so eben. Ohne Geld, ohne das, was man heute als Vitamin-B wie Beziehungen bezeichnet. Vorsichtig hakt SWR-Journalistin Katja Schlonski nach. Wozu hat man denn Zeitzeugen eingeladen?

Vier Urgesteine der Heilbronner Jazzszene hat sie anlässlich des Festaktes zum 50. Geburtstages des Jazzclubs Cave 61 auf die Bühne gebeten. Vier ältere Herrschaften, die vor 50 Jahren zum Dunstkreis jener Jazzfreunde gehörten, die das Ungeheuerliche wagten. Also, wer war denn nun schuld? War es vielleicht James Dean, der umschwärmte "Rebel Without A Cause"? Oder Horst Buchholz, der Prototyp der deutschen "Halbstarken"?

Zurückhaltend sind sie, die beiden Weinsberger Freunde Paul Schwarz und Axel Lauser, Gottwald Flohr und der Amerikaner John Cole, der Anfang der 60er Jahre als Austauschschüler ans Theodor-Heuss-Gymnasium gekommen war. Revoluzzer waren sie wohl alle eher nicht, geben sie gerne zu, an "Die Halbstarken" jedoch, der Ende der 50er Jahre auch in die Heilbronner Kinos kam, erinnern sie sich gerne.

Hatte es nicht Schülerdemonstrationen gegeben? Etwas musste sich ändern in der miefigen Adenauer-Republik: "Die Nischen waren ja nicht gerade üppig." Eine kleine Zeitreise beginnt: In jene ferne Zeiten, in denen es sich Stars wie der Blueser John Lee Hooker nicht nehmen ließen, nach einem offiziellen Konzert in eine Jam-Session eines Mini-Clubs wie dem Cave 61 entführt zu werden. Längst ist im Club Professionalität eingezogen, nach einer schier unendlichen Odyssee durch muffige Kellerlokale ist der Wanderzirkus vor zehn Jahren im K3 angekommen.

Launig erinnert Kulturbürgermeister Harry Mergel, apropos Schuldfrage, daran, dass es der Cave war, der wieder einmal untergebracht werden musste, der schuld am Bau des K3 war.

Hookers Sohn

"Die Rentabilität", so Mergel, "hing damals an ein paar wenigen Quadratmetern." Sein Vorgänger Werner Grau war es dann, der in der dritten Etage die Einrichtung eines von der Stadt angemieteten Multifunktionsraumes anregte. Heute geben sich im Cave Jazzer aus aller Welt die Klinke in die Hand. 30 Bewerbungen flattern dem Clubchef Axel Lauser täglich auf den Tisch. Auch die eines gewissen John Lee Hooker. Im Herbst macht, jetzt der Sohnemann, in Heilbronn Station. 26 000 Euro lässt sich das die Stadt kosten. "Eins ist sicher: Die letzten 50 Jahre waren nicht einfach, die nächsten 50 Jahre auch nicht."

Eine Hoffnung jedoch hat Harry Mergel. Vielleicht ließen sich ja die Jazz- Bluestage wiederbeleben, die einst von der Stadtjugendpflege und der Kreissparkasse organisiert wurden. "Von diesem Abend sollte doch ein Impuls ausgehen." Und dann wird es Zeit für die Cave Jublilee Band mit dem Trompeter Fr´edéric Rabold und dem Bassisten Frantisek Uhlir. Paul Schwarz nimmt am Klavier Platz, Clubchef Lauser am Schlagzeug. Nostalgie ohne Ende.

 


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