Bauer sucht Bondgirl

Über 1500 Besucher bei der "Zauberflöte" im Bürgerzentrum

Von Leonore Welzin
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Bauer sucht Bondgirl
Publikumsliebling Papageno (Dionysios Tsaousidis) ist unter Beschuss der drei ausdrucksstarken Damen alias Bondgirls, die im Auftrag der Königin der Nacht unterwegs sind.Foto: Leonore Welzin

Brackenheim - Ein Mädchen oder Weibchen wünscht Papageno sich", und das süße Täubchen kommt am Ende des Singspiels "Die Zauberflöte" auch angeflattert. Im Dirndl. Und kurz darauf zum Finale im Bürgerzentrum spaziert die ganze Vogelhändlerfamilie mit viel Nachwuchs auf die Bühne. Riesenapplaus und Beifall im Stehen für die Solisten der Stuttgarter Musikhochschule, das 38-köpfige Orchester Camerata Juvenalis, den Madrigalchor Vollmer sowie den musikalischen Leiter beider Klangkörper, den Dirigenten Carl Burger.

Großes Projekt Alle zwei Jahre überrascht der Güglinger Madrigalchor mit einem groß angelegten Projekt. Beginnend mit "Anatevka" (2004), nach der "Nacht in Venedig" (2006) und "Der Rose Pilgerfahrt" (2008) gipfelt die ambitionierte Serie nun in Mozarts Oper "Die Zauberflöte". Ende gut, alles gut? Werner Treuer, Vorsitzender des Madrigalchores ist erleichtert, dass die Produktion so gut ankommt. Noch vor vier Monaten drohte das Projekt zu scheitern: Die Regisseurin Sonja Wassermann zog sich zurück, die Kluft zwischen Profis und Amateuren schien unüberbrückbar.

Umso erstaunlicher wie ihre Nachfolgerin, die Regisseurin (und Koloratursängerin) Angelika Luz in wenigen Wochen mit neuem Personal eine sehenswerte "Zauberflöte" stemmt. Links unterhalb des Podiums sitzt das Orchester. Mitten durch den Saal führt ein Laufsteg. Zu Auf- und Abtritten nutzen die Akteure auch die Saaleingänge, sowie bei geschlossenem Vorhang die Vorderbühne und die Bühne: der ganze Raum wird zu Spielfläche, Lichtwechsel markieren Ortswechsel.

Kraft der Liebe Wie keine andere fragt diese Oper: Was ist gut, was ist böse? Statt sich mit komplizierten Betrachtungsweisen (Aspekten des Isis-Kults, der Mysterien, Initiationsriten, Freimaurerei) auseinanderzusetzen, verzichten Inszenierungen Mozarts populärster Oper meist auf irritierende Fragen, suchen die Antwort allein in der Kraft der Liebe. So stürzt sich auch Luz auf das Bunte und Banale, ein wildes Durcheinander des Heterogenen.

Sarastro (Don Lee) ist mal lendengeschürzter Ägypter, mal kampfsporterprobter Asiate, schließlich Mafiosi. Tamino (Roger Gehring) und eine sängerisch herausragende Pamina (Antje Marta Schäfer) sind etwas naive Lichtgestalten, kontrastierend zum fetten Dunkel des Monostatos (Götz Thumm). Ausdrucksstark sind die drei Damen alias Bondgirls (Rita Varga, Maria Pizzuto und Zografia-Maria Madesi), die als Agentinnen der leider koloraturschwachen Königin der Nacht (Patrizia Piras) auftreten.

Publikumsliebling ist stimmlich wie schauspielerisch ein köstlicher Papageno (Dionysios Tsaousidis), der in der letzten Szene dank seines angetrauten Dirndls arg nach Bauer sucht Frau riecht. Fazit: Ironie ist gut gemeint, kommt aber in einer Inszenierung aus Laien und Profis, wo die Gefahr unfreiwilliger Komik an jeder Ecke lauert, nicht an.


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