Anarchisch, basisdemokratisch und subversiv

Heilbronn - Kurzfilme aus aller Welt, aber beileibe keine Allerweltsfilme, dafür steht − klein aber oho − das Internationale Low No Budget Kurzfilmfestival im Mobilat.

Heilbronn - Kurzfilme aus aller Welt, aber beileibe keine Allerweltsfilme, dafür steht − klein aber oho − das Internationale Low No Budget Kurzfilmfestival. Dafür steht auch ein Cartoonjuwel wie "Jesus Judas", der die biblische Vorlage gegen den Strich bürstet.

"Eigentlich hatte das Stuttgarter Trickfilmfestival den technisch gut gemachten, aber blasphemieverdächtigen Film zeigen wollen, doch mit Rücksicht auf Sponsoren in letzter Minute davon Abstand genommen", so Ingo Klopfer (Autor, Publizist, Veranstalter und Krankenpfleger), der das lasterhafte Kleinod im Stil von Ralph Bakshis "Fritz the Cat" gern ins Programm genommen hat, auch wenn"s für glaubensstarke, humorresistente Zeitgenossen ein Affront sein mag.

Der Rest der Menschheit wird den Streifen des Regieduos Olaf Encke und Claudia Romero höchst unterhaltsam finden.

Aus insgesamt 541 Einsendungen haben Klopfer und sein Mainzer Kollege, Videojournalist Albert Beckmann, 60 Filme vorselektiert, die in Public Screenings in Mainz, Stuttgart und Heilbronn vom Publikum basisdemokratisch bewertet wurden. Entstanden ist ein Programm aus 22 Filmen, wie man es sonst nie zu sehen bekommt. Stark vertreten sind Deutschland (12 Filme) und Spanien (vier Filme), aber auch Belgien, Litauen, die Türkei, Indien die USA und die Schweiz überzeugen mit je einem Film.

Drei Minuten Situationskomik und die Tücken einer vollautomatisierten Toilette in "Herren" (2008, Regie: Oliver Boezec), vier Minuten Realtrick aus Belgien zum Thema japanische Computerspiele in "Bad H8bit" (2010, Regie: Peter Cserba), "500 Gramm Alltag" (2010, Regie: E. Buechler und M. Haefele) aus der Schweiz über die Folgen antiautoritärer Erziehung beim Warten an der Kasse im Supermarkt bis hin zum viertelstündigen "Poder" (2008, Regie: Emilio Santin), in dem ein Junge mit Down-Syndrom den Aufstand an seiner Schule probt, weil er verliebt ist, beeindrucken.

Das Festival (ab jetzt auf Tour) ist eine Plattform für Nonkonformisten mit Mut zur anarchischen Zuspitzung, zu ästhetischem Experiment und Eigensinn, der jenseits etablierter Vermarktungsstrategien besonders schöne Blüten treibt. leo


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