„Aber in München passiert Ihnen das nicht“

Claus Biederstaedt steht bis 4. August auf der Bühne im Komödienhaus und genießt die Freundlichkeit der Menschen

Von Claudia Ihlefeld

„Aber in München passiert Ihnen das nicht“
„Trau keinem über 60!“: Claus Biederstaedt gibt den selbstbewussten, älteren Herren, der sich die Lust am Leben nicht verbieten lässt.Foto: Marc Schmerbeck

Heilbronn - Er hat sie noch: die Stimme von Marlon Brando, den Claus Biederstaedt im „Letzten Tango in Paris“ synchronisiert hat. Von Paul Newman, von „Columbo“-Peter Falk oder von James Garner.

Er ist der deutsche Kinostar der 50er und 60er Jahre, ist der Mann, dem Romy Schneider ihren ersten Kuss verdankt. In „Feuerwerk“ stand die 16-Jährige mit dem zehn Jahre älteren Biederstaedt vor der Kamera, Jahre später treffen sie sich wieder, als er Yves Montand synchronisiert in Claude Sautets „César und Rosalie“.

Seit den 80er Jahren ist Claus Biederstaedt, der mit seiner Frau - „sie ist Kieferorthopädin“ - bei Fürstenfeldbruck lebt und nun schon selbst im 80. Lebensjahr steht, zu seinen Wurzeln zurückgekehrt: ans Theater. Bis zum 4. August ist er im Komödienhaus zu sehen, gemeinsam mit Karin Dor in „Trau keinem über 60!“.

Über 760 Mal stand der Schauspieler in der Erfolgskomödie von Gunther Beth auf der Bühne. Dann war Schluss, bis das Team um Biederstaedt nach neun Jahren das Boulevardstück revitalisiert und wieder damit auf Tournee geht. „Dem lieben Gott noch ein paar Jahre abtrotzen“, möchte das Theatertier Biederstaedt, das auf die gesundheitsfördernde Wirkung seines Berufes schwört.

„Luzidität und Mobilität, die ein Schauspieler auf der Bühne braucht, lassen jung und wendig bleiben.“ Dann erwähnt er noch die humanistische Bildung - Griechisch und Latein -, auf die Biederstaedt sein Sprachgefühl zurückführt. Und den erfrischenden „pausenlosen Wechsel zwischen den einzelnen Sujets“ sowie die „profunde Ausbildung“ einst in Hamburg an der Musikakademie und am Schauspiel. Will Quadflieg nennt er sein großes Vorbild, „bis heute“.

Dass Claus Biederstaedt ein Profi ist, ist ihm Verpflichtung. Soeben noch hat er für Diogenes die letzten von insgesamt 15 CDs besprochen, damit im Herbst Golo Manns „Die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts“ als Hörbuch komplett vorliegt. Während Bühnenpartnerin Karin Dor kurzfristig den Interviewtermin platzen lässt, wegen eines Termins beim Zahnarzt, erzählt Biederstaedt munter - „ein Gespräch zu zweit ist doch ergiebiger“ - aus einem bewegten Leben. Lobt das Heilbronner Publikum und findet das Logentheater eine „herrliche Spielstätte“. Nur warum „Trau keinem über 60!“ drei Tage Pause macht, „ist mir ein großes Rätsel, zumal nichts anderes auf dem Programm des Komödienhauses steht. Wir hätte gerne durchgespielt.“

Dafür genießt der Mann die Stadt und „die Freundlichkeit der Menschen hier“. Will er Komplimente machen? „Darum geht es nicht, aber in München passiert Ihnen das nicht“, sagt Biederstaedt. Und genießt es, wenn er mit stehenden Ovationen nach der Vorstellung von einem begeisterten Publikum gefeiert wird.