Abenteuer der Malerei im Zeichen des Quadrats

Heilbronn - Das Quadrat liegt in der Familie. Für den in Auenstein lebenden Maler Wolf-Rüdiger Hirschbiel ist es die Idealform abstrakter Malerei. Kasimir Malewitsch hat es in seinem berühmten Bild "Das schwarze Quadrat auf weißem Grund" zum Sinnbild der Moderne gemacht.

Von unserem Redakteur Andreas Sommer
Abenteuer der Malerei im Zeichen des Quadrats
Familiensache: Katja Hirschbiel und ihr Vater Wolf-Rüdiger Hirschbiel bestücken derzeit die Kunstetage K55 in der Heilbronner Karlstraße 55.Foto: privat

Heilbronn - Das Quadrat liegt in der Familie. Für den in Auenstein lebenden Maler Wolf-Rüdiger Hirschbiel ist es die Idealform abstrakter Malerei. Kasimir Malewitsch hat es in seinem berühmten Bild "Das schwarze Quadrat auf weißem Grund" zum Sinnbild der Moderne gemacht.

In der Gemeinschaftsausstellung des 1942 in Stuttgart geborenen Künstlers mit seiner Tochter Katja in der Kunstetage K55 ist das Quadrat eine wichtige Konstante. Im direkten Vergleich mit den Werken des Vaters sind die Arbeiten der 1968 in Marbach geborenen Katja Hirschbiel kleinteiliger und verspielter, überzeugen aber durch eine differenzierte Farbigkeit und reizvolle Farbvariationen.

Farbschichten Ihre Bilder (Acryl auf Leinwand) gehen von einer strengen Konstruktion aus, die sich im Verlauf des Malprozesses auflöst. Die Farbe behält die Oberhand über die Form und erreicht damit eine gesteigerte Intensität. Die in Lüneburg lebende Katja Hirschbiel, die Industrial Design mit Schwerpunkt Textil an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg studiert hat, löst die Senkrecht-Waagrecht Strukturen ihrer Bilder auf und gestaltet die ornamental anmutenden, vielschichtigen Farbflächen mal marmoriert, mal gemasert oder gestreift. In ihren neuesten Arbeiten malt Katja Hirschbiel um die Bildkanten herum, was ihnen etwas Architekturhaftes verleiht. Dabei bleiben ihre poetischen Bildfindungen stets frei interpretierbar: Sehen wir Nähte, Totems, Schriftzeichen? Fassaden, eine Staffelei?

In die Tiefe Bei ihrem Vater konzentriert sich die Farbe im Quadrat und führt in die Tiefe. Er verzichtet auf Formen, die seine Farbe schwächen könnten. Sein Interesse gilt nicht zentralperspektivischen Gesetzen oder der räumlichen Wirkung des Quadrats, sondern dem aufwendigen Prozess der Farbschichtung, die seinen Bildern ihre besondere Leuchtkraft verleiht. Manchmal sprengt das Quadrat die Grenzen des Bildes. Die Farbpalette bietet Grün, Türkis, Ocker und Lila. Wolf-Rüdiger Hirschbiels Umgang mit der Lichtqualität von Farbe ist virtuos. Er kultiviert die Schönheit des Einfachen und beginnt meist mit der Quadratform, ab und zu mit dem Hintergrund. Die Farbigkeit entscheidet sich während des Malprozesses: "Für mich wäre Malen uninteressant, wenn ich vorher wüsste, wie es hinterher aussieht."

Bis 20. November (Kunstcafé ab 14 Uhr), Kunstetage K55, Heilbronn, Karlstraße 55. Dienstag und Donnerstag 15 bis 18 Uhr, Sonntag 14 bis 18 Uhr.


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