Nach Kontrolle: Polizei schießt auf eigenes Auto

Mosbach/Neudenau - Ein Schuss auf das eigene Fahrzeug und eine ungewöhnliche Verfolgungsjagd mitten in der Nacht: Für zwei Streifenbeamte der Mosbacher Polizei endete eine Alkoholkontrolle rund um ein Motorradfest in Allfeld (Neckar-Odenwald-Kreis) alles andere als routinemäßig.

Von Wolfgang Müller

Mosbach/Neudenau - Ein Schuss auf das eigene Fahrzeug und eine ungewöhnliche Verfolgungsjagd mitten in der Nacht: Für zwei Streifenbeamte der Mosbacher Polizei endete eine Alkoholkontrolle rund um ein Motorradfest in Allfeld (Neckar-Odenwald-Kreis) alles andere als routinemäßig. Ein 40-Jähriger, der laut Informationen derim Neudenauer Stadtteil Herbolzheim lebt, muss sich wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vor dem Mosbacher Amtsgericht verantworten. Das bestätigte am Donnerstag Gerichtssprecherin Barbara Scheuble auf Anfrage unserer Zeitung.

Nachricht

Offenbar mit zu viel Alkohol im Blut war der Herbolzheimer der Polizei ins Netz gegangen. Anschließend wollten die Beamten den Mann in ihrem Fahrzeug mit nach Mosbach nehmen, "um den Alkoholgehalt zu verifizieren", bestätigte die Gerichtssprecherin. Dazu kam es aber nicht. Denn auf dem Weg nach Mosbach erreichte die Polizisten die Nachricht, dass sich auf ihrem Weg ein Wildunfall ereignet hatte und sie sich darum kümmern sollen.

So fuhren die Beamten zusammen mit dem Neudenauer auf der Rückbank des Polizeiautos zur Unfallstelle. Vor Ort stiegen die Polizisten nichts ahnend aus ihrem Fahrzeug, um den Unfall aufzunehmen. Diesen Augenblick nutzte der 40-Jährige, um stiften zu gehen. Aber anstatt auszusteigen und davonzulaufen, setzte er sich ans Steuer des Polizeiautos, startete den Motor und gab Gas. Dabei soll er offenbar ungebremst auf einen der Polizisten zugefahren sein, der ihn zum Anhalten bewegen wollte.

Um nicht überfahren zu werden, musste der Beamte offenbar zur Seite springen. Einer der Polizisten griff daraufhin zur Waffe und schoss in Richtung flüchtendes Polizeiauto. Ein Schuss in den Reifen sollte die Fahrt beenden. Doch der Schuss ging ins Leere, bestätigte die Gerichtssprecherin.

Zündschlüssel

Um ihr eigenes Polizeifahrzeug verfolgen zu können, beschlagnahmten die Beamten kurzerhand das Auto, das zuvor den Wildunfall hatte. Ohne Erfolg. Dem Neudenauer gelang es, die Polizisten abzuhängen. Stunden später fand die Polizei das gestohlene Fahrzeug. Vom Flüchtigen fehlte allerdings jede Spur. Der meldete sich allerdings noch am gleichen Tag im Polizeirevier Mosbach und gab die Zündschlüssel zurück.

Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Anklage erhoben. Das Amtsgericht Mosbach verhandelt am Dienstag, 12. Juli, um 14.15 Uhr gegen den Beschuldigten. Auf Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr stehen in besonders schweren Fällen Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren.