Bündnis will Neonazis blockieren

Heilbronn - Sie wehren sich gegen eine Schubladen-Kategorie, sie seien alle Autonome. Wenn am Sonntag, 1. Mai, in Heilbronn süddeutsche Neonazigruppen in Heilbronn aufmarschieren, will sich das Bündnis "Heilbronn stellt sich quer" den Rechtsextremen im Bahnhofsviertel in den Weg stellen.

Von Carsten Friese

Heilbronn - Sie wehren sich gegen eine Schubladen-Kategorie, sie seien alle Autonome. Wenn am Sonntag, 1. Mai, in Heilbronn süddeutsche Neonazigruppen in Heilbronn aufmarschieren, will sich das Bündnis "Heilbronn stellt sich quer" den Rechtsextremen im Bahnhofsviertel in den Weg stellen. Trotz Mahnungen von Polizei und Stadt vor möglichen Ausschreitungen.

Als unfair empfindet es der Heilbronner Bündnissprecher Tim Müller (26), dass die Blockierwilligen im Vorfeld kriminalisiert würden. Sie wollen den Marsch der Neonazis friedlich verhindern. Dies sei sicher eine gewisse Grenzüberschreitung. Als legitimes Mittel, Menschen mit rassistischer Ideologie aufzuhalten, stuft das Bündnis eine Blockade ein. Müller: "Seit Jahren wird juristisch darum gestritten." Das Bundesverfassungsgericht habe eine friedliche Sitzblockade als mögliche Form von zulässigem Protest eingestuft.

Gewissensfrage

Lena Hornung ist 19 und Sprecherin der Grünen Jugend Heilbronn. Eine symbolische Geste wie der Protestmarsch des ersten Bündnisses "Heilbronn sagt Nein" in der Innenstadt − weit entfernt vom Aufzugsort der Rechtsextremen − ist ihr zu wenig. Sie könne es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren, wenn Neonazis durch Heilbronn marschieren "und Anwohner sich gedemütigt und bedroht fühlen". Für das Bündnis ist blockierender Protest ein Zeichen von Zivilcourage. Keine Angst vor möglicher Gewalt anderer? "Man muss aufpassen", sagt ein 22-jähriger Juso, der ungenannt bleiben will. Seine Adresse sei bei den Rechten im Umlauf.

Ihre friedliche Absicht betonen Müller und Hornung. "Keine Gewalt" laute der Konsens im Bündnis, auf den sich alle Gruppen geeinigt hätten − auch die wenigen autonomen Gruppen, die in der Minderheit seien. Und wenn sich doch Gewaltbereite anschließen? Dann, so Hornung, müsse und werde man dieser Gruppe "entgegenwirken". Für Tim Müller werde in Sachen Gewalt "viel herbeigeredet". Es gebe keine Zeichen, dass sich eine Bündnisgruppe dem Konsens widersetzen werde.

Jusos, Verdi-, BUND-, Links- und Grüne-Jugend und die Antifaschistische Aktion Heilbronn gehören unter anderem zum Kern. Mit mehr als 1000 Blockierwilligen rechnet der Sprecher. Aus dem Jugendbündnis sei inzwischen ein "Bürgerbündnis" geworden, dem auch Erwachsene angehören. Der Grünen-Kreisverband, der Linke-Kreis- und Landesverband, die Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes, ein Motorradclub oder Gruppen von Stuttgart-21-Gegnern zählten dazu.

Früh aufstehen

Dass sie von der Polizei vor einer möglichen direkten Konfrontation mit den Neonazis weggetragen werden könnten, kalkulieren die Quersteller ein. "Früh aufstehen und Fakten schaffen", ist ihr Motto. Sie hoffen, so viele zu sein, dass ein Wegtragen kaum möglich werde. Mehrere Blockadepunkte haben sie bereits im Visier.