Wird der Chef der Hells Angels gestehen?

Heilbronn - Heute beginnt der mit Spannung erwartete Prozess gegen Eric L., den Heilbronner Hells-Angels-Chef. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, wie das Verfahren laufen wird. Richter, Anwälte und Ankläger haben sich vorab zu Verständigungsgesprächen getroffen.

Von Helmut Buchholz

Heilbronn - Am heutigen Mittwoch beginnt der mit Spannung erwartete Prozess gegen Eric L., den Heilbronner Hells-Angels-Chef. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, wie das Verfahren laufen wird. Richter, Anwälte und Ankläger haben sich vorab zu Verständigungsgesprächen getroffen.

Der 48-jährige "Sergeant at arms" des Heilbronner Chapters der Rockergruppe sitzt zusammen mit seiner Ehefrau (38) und seinem Schwiegervater (59) auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Drogenhandel vor. Eric L. soll Drahtzieher von Kokain-Geschäften gewesen sein. Seine Kunden fand er laut Anklageschrift bei den Hells Angels, aber auch außerhalb der Gruppe.

Zugriff

Die Fahnder erwischten den Schwiegervater im Juni bei einer Kurierfahrt mit mehr als einem Kilo Kokain im Auto. Nach diesem Zugriff tauchte Eric L. bei österreichischen Hells Angels unter. Ein Spezialkommando nahm den "als gewalttätig bekannten, mehrfach straffällig gewordenen" Mann, wie ihn das Landeskriminalamt einschätzt, fest. Alles abzustreiten, wird Eric L. im Prozess nach zweimonatiger Flucht schwerfallen. Bandenmäßiger Drogenhandel kann mit Gefängnis von fünf bis 15 Jahren bestraft werden. Beihilfe entsprechend weniger.

Wurde bei den Verständigungsgesprächen hinter verschlossenen Türen schon über mögliche Strafmaße verhandelt? Zu den Inhalten der Verhandlungen gibt es keine Auskünfte. Anke Stiefel-Bechdolf, die Verteidigerin von Eric. L., sagt, "dass die Anwälte voraussichtlich Erklärungen zur Sache abgeben werden". Heißt dies, dass der Hells-Angels-Chef ein Geständnis ablegt? Stiefel-Bechdolf: "Dazu sage ich im Moment nichts."

Allerdings kündigt die Verteidigerin an: "Es wird wahrscheinlich keine hochstreitige Hauptverhandlung geben." Auch die Richter haben keine Hinweise auf eine auf Konflikt ausgelegte Verteidigungslinie.

Kurzes Programm

Noch eines signalisiert, dass Eric L. dem Grunde nach die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft einräumen wird: Es sind bis jetzt "nur" fünf Verhandlungstage angesetzt und vier Zeugen geladen. Bei neun Leitzordnern Akten ein relativ kurzer Prozess. Nur wenn die Angeklagten mitwirken, ist das Prozessprogramm in diesem kleinen Zeitraum zu schaffen.

Geladen ist auch ein Sachverständiger, dessen Gutachten Auskunft über den Drogenkonsum und -abhängigkeit von Eric L. geben soll. Möglicherweise kommt für den 48-Jährigen eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Frage.

Kontrollen

Das Landgericht hat Einlasskontrollen vor dem Gerichtssaal angeordnet. Allerdings gibt Anwältin Anke Stiefel-Bechdolf Entwarnung, was Befürchtungen über ein massives Auftreten von Mitgliedern der Hells Angels betrifft. "Dazu wird es nicht kommen."