Wie der Weinberg-Täter überführt wurde

Lehrensteinsfeld - In den Weinbergen der Lehrensteinsfelder Winzerfamilie Stein wurden 750 Rebstöcke zerstört. Dabei entstand ein Schaden von mehreren Tausend Euro. Jetzt wurde der mutmaßliche Täter gefasst - er ist geständig. Die Steins hatten eine Infrarotkamera installiert.

Von Sara Furtwängler



Lehrensteinsfeld - "Das ist schlimmer als im Krimi, weil es echt ist“, sagt Winzer Jürgen Stein. „Seit 2002 geht jetzt dieser Zirkus.“ Immer wieder wurden die Rebzeilen der Familie zerstört. Im Laufe der Jahre ist dadurch ein erheblicher finanzieller Schaden entstanden. Jetzt, nach zehn Jahren, haben die Steins nach einer Tat einen Mann überführt, mit Hilfe einer Infrarotkamera (wir berichteten).

Attacken 
 
Die Winzer-Familie wusste sich nicht anders zu helfen. „Wir haben insgesamt zehn Anzeigen aufgegeben“, erzählt Brigitte Stein. Die Polizei sei dem oder den Tätern nicht auf die Schliche gekommen. Und das, obwohl die Attacken „immer das gleiche System gehabt haben“.

Im einen Jahr seien die Rebstöcke mit Unkrautvernichtungsmittel abgetötet, im nächsten dann die Fruchttriebe abgeschnitten worden. Mal waren es nur 40 Reben, dann ein halber Hektar. „Seelisch und nervlich war das ganz schlimm“, erinnert sich Jürgen Stein. „Immer, wenn man raus an den Weinberg kam, hat man befürchtet, dass wieder etwas vorgefallen ist.“

Und in der Nacht auf den 27. März ist es dann wieder passiert. „Am Samstagnachmittag war ich noch auf dem Spielplatz direkt neben dem Weinberg“, erzählt Brigitte Stein (59). „Da war alles in Ordnung.“ Am Sonntag um 10.30 Uhr haben die Steins den Schaden bemerkt: 18 Ar Totalausfall. Der Täter hatte fünf Rebenreihen à 200 Meter Länge mit der Schere bearbeitet.
 
Ungewissheit 
 
Doch diesmal waren die Steins gewappnet. Schon länger hatten sie eine Infrarotkamera an den Weinstöcken installiert. Als der Winzer an diesem Morgen die Kamera nach Hause brachte, war er aufgeregt. Gibt es nach all den Jahren Ungewissheit endlich ein Bild von einem Täter?

Zuvor seien wilde Kaninchen, auch mal ein Reh vor die Linse gesprungen. Doch an jenem Sonntag zeigt das Videobild tatsächlich einen Mann. Einen Mann, den die Steins erkannt haben, obwohl die Infrarotkamera keine scharfen Bilder zeichnet. „Es war eindeutig“, erzählt Brigitte Stein. Der Gefilmte läuft zwischen 21.40 und 22 Uhr zwischen den Rebstöcken entlang, knipst in völliger Dunkelheit Rebe um Rebe die Fruchttriebe ab. „Ganze drei Mal war er im Bild“, erzählt der 64-jährige Winzer.
 
Videomaterial 
 
„Dreist“ sei der Täter vorgegangen, weil der Weinberg direkt neben einem Wohngebiet liegt, berichtet Jürgen Stein. „Endlich wissen wir Bescheid“, sagt Brigitte Stein erleichtert.

Sie glaubt, dass der Lehrensteinsfelder, der auf dem Videomaterial zu sehen ist, auch für die vorherigen Taten verantwortlich ist. Dafür gibt es aber bislang keine Beweise.

Über das Motiv könnten sie nur mutmaßen. Langjährige Grenzstreitigkeiten – ein denkbarer Grund. Der Mann hat die Tat vom Sonntag zugegeben. Wegen zurückliegender Straftaten im Zusammenhang mit dem Wengert der Familie Stein ermittelt die Polizei.

Doch was nun? Kehrt jetzt Ruhe ein? Die Steins trauen dem Frieden nicht. Wollen deshalb auch keine näheren Angaben über die Kamera machen. „Die brauchen wir eventuell wieder“, sagt Jürgen Stein. Er steht vor seinem zerstörten Weinberg. Die abgeschnittenen Fruchttriebe hängen lose in den Drahtseilen. „Hier werden dieses Jahr keine Trauben wachsen“, sagt die 59-jährige Winzerin. Trotzdem werden sie die Reben spritzen und pflegen, „sonst geben sie auch im Jahr darauf keinen Ertrag“.