Weingärtner planen Fünf-Millionen-Bau nach Fusion

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Heilbronn und Flein schließen Wein-Ehe
 
Die „Fusion der Gesunden“ ist perfekt. In Württemberg ist eine Super-Weingärtnergenossenschaft entstanden: Am Dienstagabend haben die Mitglieder der  Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg mit 99,1Prozent offen für den Zusammenschluss mit den Weingärtnern Flein-Talheim gestimmt. Dort waren am Vorabend 87,8 Prozent diskussionslos und in geheimer Abstimmung für die Fusion rückwirkend zum 1. Januar 2011.

Damit entsteht im Weinland Württemberg nach der Weingärtner-Zentral-Genossenschaft in Möglingen die größte Einzel-Genossenschaft mit 1056 Hektar, 1108 Mitgliedern, 7,3 Millionen Liter Weinerzeugung und einer Bilanzsumme von 37,4 Millionen Euro. Wesentliche Ziele der geplanten Betriebszusammenführung zweier gesunder Unternehmen sind die dauerhafte Sicherung der Existenzen im Weinbau und die Ausweitung der eigenen Vermarktung auf ganz Deutschland. Unter dem Motto „Der Wein-Schatzkeller Württembergs“ sollen die drei Marken Heilbronn, Neckarsulm-Gundelsheim und Flein-Talheim positioniert werden.

Der neue Vorstand der neuen Genossenschaftskellerei: Von links Justin Kircher (Vorsitzender), Karl Seiter (Geschäftsführer), Martin Göttle (bisheriger Vorstandsvorsitzender WG Flein-Talheim), Werner Hengerer und Erwin Kerner mit Kellermeister Arne-Klaus Maier. Bilder: Schwinghammer


Traubenanlieferung, Weinausbau und Verkauf bleiben auf längere Zeit in Flein. Der Außendienst arbeitet schon zusammen, Logistik, EDV und Abfüllung wechseln zügig nach Heilbronn. Der bisherige Flein-Talheimer Geschäftsführer Reinhold Fritz fängt am 1. Juni bei den Heuchelberg Weingärtnern in Schwaigern an. Abfüllung und Logistik gehen nach Heilbronn. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagte Martin Göttle (46), der bisherige Vorsitzende der 1923 gegründeten und 1972 mit Talheim fusionierten Fleiner Genossenschaft nach der Abstimmung. Er wurde von den Mitgliedern beider Genossenschaften einstimmig in den Vorstand der fusionierten WG gesandt. Ein Beirat aus  14 vorwiegend jungen Personen soll ab Herbst die regionale Verbreitung der Genossenschaftskellerei repräsentieren.
 
Der Vorstandsvorsitzende der fusionierten Genossenschaft, Justin Kircher (48), kündigt unter Führung von Kellermeister Arne-Klaus Maier (51) eine „Riesling-Offensive“ an. Die Fleiner Hauptsorte wird nach seiner Prognose eine „wichtige Leitsorte in Württemberg“. Am Heilbronner Standort sollen laut Geschäftsführer Karl Seiter (58) bis 2014 rund fünf Millionen Euro in Verkauf und Logistik investiert werden. Kircher erinnert an die große Fusion zwischen Heilbronn, Erlenbach und Weinsberg im Jahr 1972: „Wir haben damals alle von dieser gigantischen Fusion profitiert.“

Stoßen auf die erfolgreiche Fusion an: Von links Martin Göttle (bisher Vorstandsvorsitzender der Weingärtner Flein-Talheim und neues Vorstandsmitglieder der Genossenschaftskellerei), Kellermeister Arne-Klaus Maier, Geschäftsführer Karl Seiter und Vorstandsvorsitzender Justin Kircher.

 
Bereits im Jahr 2009 hatten sich die Verwaltungen von Flein und Heilbronn intensiv darüber unterhalten, wie eine gemeinsame Zukunft aussehen könnte. Im April 2010 fanden für die inzwischen 750 Heilbronner und 358 Fleiner Mitglieder getrennte Informations-Veranstaltungen über die Absicht einer Zusammenführung statt. Bei geheimen Probeabstimmungen in den jeweiligen Generalversammlungen wurden in Flein am 16. Juni 2010 und in Heilbronn am 7. Juli 2010 Zustimmungsquoten von 88 bzw. 89 Prozent erreicht.

Die Genossenschaften verfügen über Rebflächen von 759 Hektar (Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg) und 297 Hektar (Flein-Talheim), insgesamt also 1056 Hektar. Heilbronn erzeugte vom letzten Jahrgang 2010 5,38 Millionen Liter Wein, Flein1,98Millionen Liter. Die Bilanzsummen belaufen sich auf 26,4 bzw. 10,9 Millionen Euro.

Die Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg entstand 1972 aus den Genossenschaften Heilbronn (1888 gegründet), Erlenbach (1948) und Weinsberg (1868). 2007 kam die 1855 „in notvoller Zeit“ gegründete und 1956 um Gundelsheim erweiterte WG Neckarsulm-Gundelsheim, die älteste Weingärtnergenossenschaft Deutschlands, dazu. Die Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg ist in den letzten Jahren zur größten Einzelgenossenschaft Deutschlands nach den Gebietsgenossenschaften gewachsen. Die WG Flein wurde 1923 gegründet. Sie hat 1972 mit Talheim fusioniert.