Syrische Christen feiern schweres Weihnachtsfest

Heilbronn - Die Freude über das Weihnachtsfest ist für die Mitglieder der syrisch-orthodoxen Kirchengemeinde St. Jakob in Kirchhausen stark getrübt. Viele haben Bekannte oder Verwandte im durch den Krieg zerstörten Syrien.

Von Carsten Friese



Mitglieder der syrisch-orthodoxen Kirchengemeinde Kirchhausen vor dem Weihnachtsfest.
Heilbronn - Die Freude über das Weihnachtsfest ist für die Mitglieder der syrisch-orthodoxen Kirchengemeinde St. Jakob in Kirchhausen stark getrübt. Viele haben Bekannte oder Verwandte im durch den Krieg zerstörten Syrien.

Gabriel Kollos Verwandte in Kamechli feiern kein Weihnachten. "Sie wollen und können es in diesem Jahr nicht, weil sie in Trauer um die vielen Toten sind", sagt der 53-jährige Heilbronner in einem Gespräch mit der Stimme. Man bete jeden Tag für die Syrer in der Heimat in der Hoffnung auf Frieden.

Mit seinen Brüdern und Schwiegereltern telefoniert Aziz Chabo (61) aus Leingarten regelmäßig - wenn er durchkommt. "Sie haben nur etwa eine Stunde am Tag Strom, kein Öl. Es ist kalt dort, gibt kein Brot zu kaufen, sie müssen es zu Hause backen", beschreibt er die Lage.

Der Eingang zum Gemeindehaus in Kirchhausen
In der Adventszeit hat die Kirchengemeinde über Kollekten 3500 Euro gesammelt. Das Geld soll über die Caritas und das Diakonische Werk zu den hilfsbedürftigen Menschen in Syrien kommen.Decken, Kleidung und Lebensmittel seien jetzt das Wichtigste. Hoffnung, dass irgendwann wieder Frieden einkehrt, haben die syrisch-orthodoxen Christen, die dem Volksstamm der Aramäer angehören.

Wenn Länder wie die USA, die Türkei, Katar oder Saudi-Arabien fanatische moslemische Rebellen nicht mehr mit Waffen beliefern würden, dann wäre der Krieg irgendwann vorbei, ist Gabriel Kollo überzeugt. Er ist kein Anhänger von Regimechef Assad, den er als "Diktator" einstuft.

Aber: Viele ausländische Kämpfer seien in Syrien. Wenn das Land zu einem Gottesstaat werde, haben die Heilbronner Sorge, dass die Christen, Freunde und Verwandte, dort unterdrückt werden. "Bisher war Syrien der toleranteste Staat im Nahen Osten gegenüber anderen Religionen", sagt Kirchengemeindevorstand Eduard Melke (60). Er ist sehr besorgt, dass sich dies ändert.