Sittler: CDU schießt mit Nazi-Verweis ein Eigentor

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Schauspieler Sittler unterstützt die Protestaktionen, auch direkt vor Ort. Foto: dpa
Stuttgart - Dass sein Vater ein Nazi war, hat Schauspieler und Stuttgart-21-Gegner Walter Sittler nie geheim gehalten. Im Streit um das Milliardenbahnprojekt hat CDU-Generalsekretär Thomas Strobl nun nochmal ausdrücklich auf dieses Kapitel in Sittlers Familiengeschichte hingewiesen. In einem Newsletter veröffentlichte Strobl ein Foto Sittlers und die Bildzeile: „Sein Vater war Nazi-Funktionär und arbeitete für Reichspropagandaminister Joseph Goebbels: Walter Sittler, Propagandist der S21-Bewegung“. Im Interview der Nachrichtenagentur dpa erzählt Sittler, was er davon hält:

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie das gelesen haben?

Walter Sittler: „Ich habe mir gedacht: Jetzt geht das los, dass sie wieder mit Sachen um sich werfen, weil sie keine Argumente haben -nur um auf jeden Fall Schaden anzurichten. Ich weiß nicht, warum. Das ist blöd. Ich werde ja wechselweise als fünfte Kolonne der DDR, als Nazi, als Demokratieverweigerer bezeichnet ­ das ist völlig wurscht. Hauptsache, man kann mit Dreck werfen. Das Blöde ist, dass der Dreck bei ihm hängen bleibt, und das muss er ausbaden ­ ich nicht. Also nach der ersten Verletzung habe ich gedacht: Das ist ein Eigentor, was er da macht.“

Was bedeutet ein solcher Angriff für die Gespräche zwischen Befürwortern und Gegnern von Stuttgart 21?

Sittler: „Das vergiftet weiterhin die Atmosphäre, anstatt ­ wie es ja alle machen sollen ­ Friedenspflicht einzuhalten, damit man miteinander redet. Er will das gar nicht. Das sind keine guten Voraussetzungen für die Gespräche.“

Hatten Sie seit der Veröffentlichung des Newsletters Kontakt mit Thomas Strobl?

Sittler: „Ich habe ihm eine Mail geschrieben, um ihn auch auf die sachlichen Unrichtigkeiten hinzuweisen. Denn mein Vater hat ja für das Auswärtige Amt gearbeitet und nicht für das Reichspropagandaministerium. Er war auch nicht Funktionär, sondern Parteimitglied ­ das habe ich ihm nur der Vollständigkeit halber geschrieben. Aber ich habe nichts kommentiert. Da gibt es von meiner Seite nichts zu kommentieren. Die Vergangenheit ist Teil unserer Familie. Aber ich bin nicht verantwortlich für das, was meine Eltern getan haben.“