Salafisten in Heilbronn: Adresse ohne eigene Klingel

Heilbronn - Verfassungsschutz stuft Verein mit Sitz in Heilbronn als salafistische Organisation ein − Islamischer Dachverband sieht deren Internetseite kritisch.

Von unserem Redakteur Carsten Friese
Email

Adresse ohne eigene Klingel: Der kaum bekannte Hohe Rat

Vorsitzender im Hohen Rat: Fathy Eid auf seiner Internetseite.

Bild: Screenshot

Heilbronn - Die Nachricht hat in Heilbronn für Unruhe gesorgt. Nachdem Innenminister Reinhold Gall am Freitag auf die "latente Gefährdungslage" durch extremen Islamismus und Salafisten in Baden-Württemberg aufmerksam gemacht hatte, verwies der Verfassungsschutz auf eine Dachorganisation der Salafisten mit Sitz in Heilbronn: den Hohen Rat der Gelehrten und Imame in Deutschland − ein Verein.

Was verbirgt sich dahinter? Wer zur Adresse in der Burenstraße fährt, findet zwar einen kleinen Aufkleber neben der Eingangstür. Aber: Weder einen Briefkasten noch eine Klingel gibt es für den Hohen Rat.

Scharia-Fachleute

Auf der Internetseite weist der Verein auf seine Ziele hin, die "religiösen Fundamente" aufrechtzuerhalten, Institute zur Ausbildung von Imamen und Predigern zu gründen, von "Fachleuten der islamischen Scharia" ist die Rede. In einem Abschnitt verurteilt der Hohe Rat "jegliche Art von Gewalt, Terror und Extremismus", ruft zum friedlichen Dialog mit Andersgläubigen auf.

Im Juli 2010 wurde der Hohe Rat mit Sitz in Heilbronn gegründet. An der Vorstandsspitze: Fathy Eid (50), Wohnort Stuttgart, ein Gelehrter mit langem Bart, der in weißem Gewand und weißer Kopfbedeckung auftritt, einen Wegweiser "für Ratlose zum wahren Glauben" schrieb.

Was überrascht: Abdulhamid Tittus, Vorsitzender des Islamischen Dachverbands Heilbronn, kennt den Hohen Rat nicht. Ob es Salafisten sind, weiß er nicht. Aber: Der Dachverband lehne Salafisten ab, weil diese mit ihren rückwärtsgewandten Thesen "uns in jeder Hinsicht schaden". Man könne keine Antworten für die heutige Zeit finden mit Verweisen auf das, "was vor 1400 Jahren war". Tittus sieht in Salafisten durchaus eine Gefährdung. "Man muss wachsam sein." Er betrachtet die Internetseite des Hohen Rats kritisch. In einer Mail hat er um Klärung der Hintergründe gebeten.

Nicht auffällig

Im Haus in der Burenstraße hat auch der Verein Bilal seinen Treffpunkt samt Moschee. Bilal habe mit dem Hohen Rat "nichts zu tun", sagt Vorsitzender Chakib Arfaoui. Es würde im Haus jemand wohnen, der für den Hohen Rat arbeite. Treffen der Gelehrten habe es dort noch keine gegeben. Der Polizei ist der Hohe Rat bekannt. "Wir haben ein Auge auf sie", sagt Sprecher Harald Schumacher. Auffällig sei der Verein in Heilbronn bisher nicht gewesen.

Der Vorstand besteht nach Angaben des Landesamts für Verfassungsschutz aus sieben Personen, von denen sechs "dem salafistischen Spektrum zuzuordnen sind". Welche Bedeutung der Verein hat, ist unklar. Aber: Die Vorstandsmitglieder sind demnach Vertreter aus Vereinen und Moscheen in Sindelfingen, Heidelberg, Mannheim, Stuttgart, Heilbronn und Pforzheim.