Reue und Geständnisse stimmen Richter milde

Heilbronn - Acht junge Einbrecher hat die 2. Große Jugendkammer des Heilbronner Landgerichts verurteilt. Zwei der jungen Männer wandern hinter Gitter, sechs erhielten Bewährungsstrafen. 44 Mal waren die Angeklagten vor allem in Schulen, Kindergärten und Vereinsheimen eingestiegen.

Von unserem Redakteur Helmut Buchholz
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Reue und Geständnisse stimmen Richter milde
Vor dem Landgericht war schwerer Bandendiebstahl angeklagt.Foto: Archiv/Dirks

Heilbronn - Im letzten Satz fasste der Richter die Botschaft seines Urteils zusammen: "Ich wünsche keinem der Angeklagten hier ein Wiedersehen vor Gericht", sagte Hannes Breucker, Vorsitzender der 2. Großen Jugendkammer des Heilbronner Landgerichts. Die Strafen gegen acht junge Einbrecher, die zwischen 2009 und 2011 im nördlichen Landkreis Angst und Schrecken verbreitet hatten, würden allen noch eine Perspektive eröffnen. Nur zwei wandern hinter Gitter, sechs erhielten Bewährungsstrafen.

Ratschläge

Das Gericht hatte den Eindruck, "dass alle Reue zeigten. Die Entschuldigungen waren nicht gespielt", erklärte Breucker in seiner Urteilsbegründung. "Alle haben aus der Hauptverhandlung gelernt." So hofft er, dass keiner der geständigen Einbrecher, die 44 Mal vor allem in Schulen, Kindergärten und Vereinsheimen eingestiegen waren, noch mal vor den Richter tritt. Damit das auch klappt, riet der Richter den 17- bis 22-Jährigen: "Ergreifen Sie ihre Chance am Schopf. Begehen Sie keine Straftaten und nehmen Sie auch keine Drogen mehr."

Soziales Training

Alle acht Personen verurteilte das Gericht nach dem milderen Jugendstrafrecht, bei dem der Erziehungsgedanke und nicht die Abschreckung im Vordergrund steht. Fünf Einbrecher erhielten Bewährungsstrafen zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Sie müssen auch gemeinnützige Arbeit leisten, teilweise soziale Trainings absolvieren und mit sogenannten Drogenscreenings nachweisen, dass sie kein Rauschgift mehr konsumieren. Bei einem Angeklagten verhängte die Kammer Vorbewährung. Lässt er sich ein halbes Jahr nichts zu Schulden kommen, wird seine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt.

Nur die beiden Haupttäter schickte das Gericht hinter Schloss und Riegel. Die "treibende Kraft", wie Breucker den beim ersten Einbruch erst 15-Jährigen nannte, muss für drei Jahre hinter Gitter. Er sei der ehrgeizigste Einbrecher gewesen und war an den meisten Beutezügen beteiligt, die die Bande intern "Nachtschichten" nannte. Der junge Mann entwickelte eine "Ganovenehre", erläuterte der Vorsitzende Richter. Als er einmal an einem Tresor in einer Schule gescheitert war, stachelte ihn das an, es in einer zweiten Nacht besser zu machen. Gegen den Fahrer der Bande verhängte das Gericht zwei Jahre und neun Monate Haft − ohne Bewährung. Er hatte neben den Einbrüchen noch einen Drogenhandel aufgezogen.

Auf die Einbrecher kommen jetzt zivilrechtliche Schadensersatzklagen zu. Der wirtschaftliche Schaden der Taten beträgt 78.000 Euro.