Polizei setzt brutale Räuberbande fest

Heilbronn - Über Wochen hatte eine Serie von brutalen Raubüberfällen in der Heilbronner Innenstadt die Bürger verunsichert. Jetzt hat die Polizei eine Bande junger Tatverdächtiger ermittelt, die einen Großteil der Überfälle und weitere Straftaten begangen haben sollen.

Von unserem Redakteur Carsten Friese
Email

Heilbronn - Über Wochen hatte eine Serie von brutalen Raubüberfällen auf Passanten in der Heilbronner Innenstadt die Bürger verunsichert (wir berichteten). Jetzt hat die Polizei eine Bande junger Tatverdächtiger ermittelt, die einen Großteil der Überfälle begangen haben sollen. Neben den Raubtaten wird den Jugendlichen und Heranwachsenden auch eine Vielzahl weiterer Taten angelastet, nämlich:

 

  • eine Serie von sechs Diebstählen aus Kraftfahrzeugen in Heilbronn-Biberach am 9. März 2012. Gestohlen wurde insbesondere Bargeld und ein Navigationsgerät. 

  • vier Autoaufbrüche in Heilbronn in der Nacht zum 23. Januar 2012. Gestohlen wurden mehrere Navigationsgeräte.

  • drei Einbrüche in Gaststätten/Ladengeschäfte in Heilbronn im Zeitraum vom 6. Dezember 2011 bis 5. Februar 2012. Gestohlen wurden insbesondere 22 Handys und ein Laptop sowie Zigaretten im Wert von etwa 2.000 Euro.

  • zwei Körperverletzungsdelikte in den Bussen und Stadtbahnen in Heilbronn am 25.Dezember 2011 und am 3. März 2012

  • dazu kommen noch Delikte wie Ladendiebstahl, Widerstand, Bedrohung, Sachbeschädigung und Hehlerei.

 

Geld für Alkohol und Partys

18 Tatverdächtige im Alter zwischen 14 und 21 Jahren aus Heilbronn, Bad Friedrichshall und Ilsfeld stehen im Fokus der Ermittlungen. Ihnen werden 42 Straftaten zur Last gelegt. Zehn mutmaßliche Täter zwischen 15 und 21 Jahren sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Mehrere Wohnungen wurden durchsucht.

In wechselnder Besetzung sollen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen Dezember und Februar vielfach abends auf Streifzüge gegangen sein. Ihr Motiv: Geld beschaffen für Alkohol und Partys. Die Nationalitäten der Verdächtigen sind bunt gemischt. Elf deutsche Staatsbürger, einige mit ausländischen Wurzeln, sind darunter. Weitere Herkunftsländer: Türkei, Pakistan, Dominikanische Republik.

Die extreme Gewaltbereitschaft der Täter hoben Heilbronns Polizeichef Roland Eisele und Leitender Oberstaatsanwalt Frank Rebmann hervor. Mit Ästen, Stöcken oder Flaschen seien sie zum Teil auf ihre Opfer losgegangen, hätten sie niedergeschlagen und auch am Boden noch auf diese eingetreten. „Wirklich erschreckend“ nannte Rebmann dies.

Freude bei der Polizei

Die Tatverdächtigen sind Schüler, im Berufsvorbereitungsjahr, einige ohne Schulabschluss. Sie trafen sich oft am Heilbronner Marktplatz. Die Eltern hätten sich entweder nicht groß um ihre Kinder gekümmert oder seien nicht mit ihnen zurechtgekommen, stellte Polizeichef Eisele fest. Er freute sich über den Ermittlungserfolg, „auch für die Bürger von Heilbronn“. Nachdem die ersten Tatverdächtigen festgenommen worden seien, habe die Serie dieser Gruppe aufgehört.

Die Polizei wolle nicht zulassen, dass derartige Jugendbanden entstehen, sagte Eisele. Das Signal dieser Ermittlungen und Festnahmen soll nach Angaben vom Leitenden Staatsanwalt auch sein, dass ein solches Vorgehen von Jugendlichen „ein Weg in die Sackgasse ist“. Rebmann skizzierte einen besonders krassen Fall aus der Clique. Einer sei nach dreijähriger Jugendstrafe Anfang November aus der Haft entlassen worden. Einen Monat später habe er gleich wieder eine Serie von Einbrüchen und Diebstählen begonnen.

Auch Mädchen in der Gruppe

Bei den Raubüberfällen soll ein 19-Jähriger Kopf der Gruppe gewesen sein. Bei neun Gewalttaten soll er dabei gewesen sein.

Zu der Clique der Tatverdächtigen sollen auch sechs bis acht Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren zählen. Ob und wie diese in die Taten verwickelt waren, muss die Polizei noch klären. Ebenso, ob den Tatverdächtigen weitere noch ungeklärte Raubüberfälle nachgewiesen werden können. Sieben von 14 Taten der Serie sind noch ungeklärt. Bei den Ermittlungen „sind wir noch nicht am Ende“, sagte der Chef der Staatsanwaltschaft.

 

Ungeklärte Fälle

In einem Fall soll während der Weihnachts- oder Neujahrszeit 2011/2012, in Heilbronn, ein etwa 30-jähriger korpulent-kräftiger Mann im Bereich der Badstraße von vier der Tatverdächtigten angegangen worden sein. Während ein damals 16-Jähriger Geld vom Opfer verlangt haben soll, hielten sich seine Komplizen zunächst im Hintergrund. Bevor der 30-Jährige in einem Audi A1 vor seinen Peinigern flüchten konnte, soll er noch getreten und geschlagen worden sein.

Ein weiterer Fall hatte sich vermutlich kurz vor Weihnachten 2011 gegen 23 Uhr in der Heilbronner Götzenturmstraße zugetragen. Aus einer vierköpfigen Gruppe war eine Person auf einen jüngeren Mann zugegangen und hatte die Herausgabe von Bargeld gefordert. Dieser Unbekannte rannte jedoch in Richtung Stadtgalerie weg und wurde dabei noch ein Stück weit von einem der Täter verfolgt. Letztendlich gelang dem jungen Mann die Flucht. Beide Delikte wurden bisher noch nicht bei der Polizei angezeigt.

Diese Geschädigten oder andere Personen, die in ähnlicher Art angegangen wurden, dies bislang jedoch noch nicht gemeldet haben, werden gebeten, sich unter Telefon 07131/104-4444 mit der Kriminalpolizei in Verbindung zu setzen.


Raubüberfalle in Heilbronn auf einer größeren Karte anzeigen