Optimismus bei den Zeitungen im Südwesten

Neckarsulm - Zu seiner Jahrestagung kam der Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger Stuttgart (VSZV) am Montag im Audi-Forum Neckarsulm zusammen. 48 der 50 Zeitungsverlage im Südwesten der Republik, darunter die Heilbronner Stimme, nahmen an der Tagung teil.

Von unserer Redakteurin Heidemarie Seifert
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Neckarsulm - Es geht um die großen Linien. „Bei der Revolution von 1848 war die Pressefreiheit eines der zentralen Anliegen. Wer hätte gedacht, dass es rund 100 Jahre später wieder darum geht, als nach dem Zweiten Weltkrieg Zeitungen in Deutschland Lizenzen erhielten, um den Aufbau einer Demokratie zu gewährleisten.“

Valdo Lehari, der Vorsitzende des Verbandes Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV*), ist gewiss kein Rückwärtsgewandter, als er in seiner Begrüßung der Gäste des Verbands-Jahrestreffens in Neckarsulm gestern auf die ganz besondere Bedeutung verweist, die Tageszeitungen haben: „Mit Blick auf den Arabischen Frühling und darauf, dass nur rund 20 Prozent der Weltbevölkerung die Freiheit der Meinungsäußerung hat, ist es Pflicht für uns alle, dass das Thema Pressefreiheit mahnende Aufgabe bleibt.“

Bei der Wahrnehmung dieser Aufgabe ist Baden-Württemberg traditionell gut aufgestellt: Eine vielseitige Zeitungslandschaft garantiert Meinungsvielfalt, und wie Lehari stolz anmerkt: „Wir sind auch an der Spitze, was die redaktionelle Qualität betrifft.“

 

 
 
Aber die „Grundnahrung für die Demokratie“ muss immer wieder von Neuem verteidigt werden. Gefahren lauerten von innen und von außen, so Lehari. Im Inneren müsse beständig der Kampf um Unabhängigkeit und Qualität geführt werden. Themen würden komplexer, gezielte Desinformation müsse man abwehren. Glaubwürdigkeit sei ein hohes Gut, wobei in diesem Punkt eher vor der internen Schwarzmalerei zu warnen sei. Denn „die Zeitung ist unverändert das glaubwürdigste Medium und der glaubwürdigste Werbeträger“, wie der Verleger des „Reutlinger General-Anzeigers“ betont.
 
Von außen sei aber höchste Vorsicht geboten bei der Aushöhlung des Urheberrechts und des Leistungsschutzrechts der Presseverlage. Die Gratis-Mentalität dürfe nicht den Sieg über die „Wertschätzung geistigen Eigentums“ davontragen. Mit Aufmerksamkeit beobachten daher die Verleger die politische Entwicklung auf den Feldern Datenschutz, Vorratsdatenspeicherung und Urheberrechte. Daraus zu schließen, dass den Zeitungsverlegern die neuen Medien abhold seien, wäre ein massiver Trugschluss. „Wir sind volle Kanne in der digitalen Welt“, erklärt Lehari. 660 Onlineangebote gebe es bereits. Und „ohne unsere Inhalte gibt es nichts, was in der digitalen Welt läuft.“
 
Die Medienwelt befindet sich ohne Zweifel in einem Umbruch, den Silke Krebs, Staatsministerin in Stuttgart, vor den geladenen Gästen mit dem vergleicht, den der Buchdruck gebracht hat. Und natürlich müssen und wollen die Zeitungsverleger den Herausforderungen der neuen Ära aktiv begegnen. Daher spricht die Medienwissenschaftlerin Katja Nettesheim über „Innovation der verlegerischen Wertschöpfung: Schutzwall gegen die digitale Flut“. Der Vortrag der Professorin aus Berlin bleibt etwas abstrakt, was die Diskussionsrunde unter der Leitung von Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer wieder ausgleicht.
 
Eine wichtige Antwort auf Zukunftsfragen sehen alle Beteiligten in dem Ausbau der Kooperation der Verlage. Gute Beispiele gebe es bereits. Kurt Sabathil von der „Schwäbischen Zeitung“ in Leutkirch stellt klar: „Der Gegner ist nicht der Nachbarverlag. Der Gegner sind die Googles dieser Welt.“ Valdo Lehari pflichtet ihm bei: „Baden-Württemberg ist ein gutes Beispiel für Vielfalt in Kooperation. Das muss mit Augenmaß erfolgen – und immer Kunde, Markt und die Menschen im Blick.“
 

 
 
Thomas Satinsky von der „Pforzheimer Zeitung“ ist zuversichtlich: „Das Printprodukt wird es weiter geben, aber die Online-Produkte der Häuser werden zulegen“. Auch Christine Bechtle-Kobarg, Verlegerin der „Eßlinger Zeitung“, sieht es ähnlich: „Wir müssen alle Zielgruppen erreichen. Mit Facebook und den neuen Medien. Und dabei unsere Marken ausbauen.“
 
Völlig klar ist: Die Herausforderungen sind erkannt, und die Verlegerschaft begegnet ihnen kreativ. Denn Vielfalt in der Zeitungslandschaft ist eine Voraussetzung für Pressefreiheit.
 
Begriffserklärung: Im Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV) sind 53 Zeitungsverlage aus Baden-Württemberg zusammengeschlossen.
 
 

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