Neonazis marschieren am Berliner Platz auf

Heilbronn - Eine Kundgebung von rund 150 Neonazis aus Süddeutschland hat die Einsatzkräfte Samstagnachmittag mehr als drei Stunden beschäftigt - und einen kleinen Vorgeschmack auf das geliefert, was mutmaßlich bei der Großdemo der Neonazis am 1. Mai zu erwarten ist.

Von Carsten Friese
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Mit Metallgittern ist der Berliner Platz am Samstagnachmittag auf beiden Zugangsseiten abgesperrt, uniformierte Polizeibeamte und eine Reihe Mannschaftswagen bilden einen Sperrriegel für Passanten. Eine Kundgebung von rund 150 Neonazis aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern hat die Einsatzkräfte mehr als drei Stunden beschäftigt − und einen kleinen Vorgeschmack auf das geliefert, was mutmaßlich bei der Großdemo der Neonazis am 1. Mai in Heilbronn zu erwarten ist.



Zwei Stunden bleiben die vorwiegend in Schwarz und Rot gekleideten Rechten auf dem Platz, halten Fahnen hoch, teilweise mit NPD-Aufdruck, lassen Redner per Megaphon zu ihrem Motto "Fremdarbeiterinvasion stoppen" sprechen und Arbeitsplätze für Deutsche fordern.

Etwa 40 linke Gegendemonstranten werden von Beamten auf Distanz gehalten; die Gegner versuchen, den Aufzug der Rechtsextremen lautstark zu stören. Lange bleibt die Szenerie friedlich, unterbrochen durch Pausen, in denen nichts passiert. Dann gibt es eine erste Rangelei, als die zwei Gruppen am K3 kurzzeitig aufeinanderstoßen. Aggressiv ist die Stimmung auf beiden Seiten, als die Neonazis abmarschieren, begleitet von Gegendemonstranten, die versuchen, in ihre Nähe zu kommen. Zuvor ist der Polizei gemeldet worden, dass ein Bus der Neonazis demoliert wurde. Steinewerfer haben Scheiben eingeworfen.

Am Ende sind rund 150 Polizisten im Einsatz, teilweise in voller Schutzmontur, und geleiten die Rechten zum Bahnhof. Die Stimmung bleibt aggressiv. Mit Hunden halten einige Polizisten Gegendemonstranten auf Distanz. Vom Bahnhof fahren die Neonazis per Zug zu ihren drei Bussen, wobei kurzfristig ein Ersatzbus organisiert werden musste.

Festnahme

"Zum Schluss haben wir jeden Mann gebraucht", zieht Polizeisprecher Harald Schumacher am Samstagabend ein Fazit. Verletzte habe es keine gegeben. Drei Linke hat die Polizei in Gewahrsam genommen. Ein tatverdächtiger Steinewerfer wurde festgenommen.

Am Dienstag hatten die Neonazis die Kundgebung angemeldet, die Stadt wollte sie verbieten. Am Freitag kam die Anordnung des Verwaltungsgerichts, dass der Aufzug zu genehmigen sei, stellt Heilbronns Ordnungsamtsleiter fest.

Zuvor waren die Neonazis auch in Sinsheim, Bad Rappenau und Backnang aufgezogen, Heilbronn war der Abschlussort. "Zum Glück sind die wieder weg", sagt eine Anwohnerin nach den Szenen am Berliner Platz.