Nach schwerer Vergewaltigung: mindestens 12 Jahre Haft

Heilbronn  Das Heilbronner Landgericht verhängt im Bad Rappenauer Fall zwölf Jahre Haft und beantragt eine Sicherungsverwahrung für den 42-Jährigen.

Von Carsten Friese

Zwölf Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung für schwere Vergewaltigung und schwere räuberische Erpressung: Zu dieser Strafe hat das Heilbronner Landgericht am Freitag einen 42 Jahre alten Angeklagten verurteilt. Als „Gefahr für die Allgemeinheit“ stufte Vorsitzender Richter Roland Kleinschroth den Mann ein, der früher schon einmal zu zwölf Jahren Haft wegen einer Vergewaltigung in Hessen verurteilt worden war. 

Obwohl der Angeklagte bei Gott geschworen hatte, dass er eine 71-jährige Rentnerin in deren Haus in Bad Rappenau weder vergewaltigt noch erpresst habe, hatte die Kammer keine Zweifel an den Angaben der Frau, die bis heute traumatisiert und extrem ängstlich geworden sei. Als falscher Telekom-Mitarbeiter hatte sich der staatenlose Adnan D. bei der Witwe vorgestellt.

Bei einem weiteren Besuch hat er sie nach Überzeugung des Gerichts mit einem Messer bedroht und zum Oralsex gezwungen, dabei ein Handyvideo aufgenommen und später 25.000 Euro von ihr gefordert. Seine Beteuerungen, die Rentnerin habe den Sexualakt aus freien Stücken mitgemacht, glaubten die Richter nicht.

Er selbst habe sich im Laufe des Verfahrens in viele Widersprüche verwickelt und seine Aussage immer am jeweiligen Ermittlungsstand angepasst. „Ich weiß, es brodelt in einem, wenn man der Lüge überführt wird“, sagte der Richter. Es sei aber eindeutig, dass diese brutale Tat und die Folgen für das Opfer dem Angeklagten zuzurechnen seien. 

Sicherungsverwahrung bedeutet, dass der Angeklagte auch nach Verbüßung einer 15-jährigen Haft nicht auf freien Fuß kommt, sondern weiter hinter Gittern bleibt. Nur wenn Gutachter zu dem Ergebnis kommen, dass jemand die Tat ernsthaft bereut und von einem Straftäter keine Gefahr mehr ausgehe, kann ein Sicherungsverwahrter wieder in Freiheit kommen. 

Der ungewöhnliche Schwur fruchtete zumindest beim Staatsanwalt nichts. Im Prozess um schwere Vergewaltigung einer Rentnerin hat der Angeklagte in einem Brief an das Heilbronner Landgericht „bei allem, was mir heilig ist“ geschworen, dass er die 71-jährige Frau in ihrem Haus in Bad Rappenau weder genötigt, noch vergewaltigt oder erpresst habe. „Gott ist mein Zeuge“, ließ er den Richter wissen.

Unbeeindruckt davon forderte Staatsanwalt Christoph Meyer-Manoras in seinem Plädoyer am Donnerstag 13 Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung nach der Haftzeit für den 42-Jährigen, der einschlägig vorbestraft ist. Wegen Vergewaltigung einer Frau war er in Hessen schon einmal zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

Er habe keine Zweifel, dass die Rentnerin „in allen entscheidenden Punkten die Wahrheit gesagt hat“, betonte Meyer-Manoras. Die Angaben von Adnan D. dagegen, dass die Rentnerin freiwillig mit ihm sexuelle Kontakte gehabt, er sie in Gigolo-Manier sozusagen rumgekriegt habe, seien abwegig. Es sei „ein psychologisches Spiel“, den Unschuldigen zu mimen.

Anwalt sieht Widersprüche

Als falscher Telekom-Mitarbeiter hatte sich D. bei der Rentnerin ausgegeben in der Absicht, Geld zu stehlen. Die Frau hatte vom Einsatz eines Messers berichtet, was D. abstreitet. Der Staatsanwalt hält D. für „extrem gefährlich“. Es bestehe die Gefahr, dass es für ein nächstes Opfer tödlich ausgehe.

Zuvor hatte der psychiatrische Gutachter Dr. Thomas Heinrich dem Angeklagten eine ungünstige Kriminalprognose attestiert. Von einer raschen Rückfallgeschwindigkeit „ist auszugehen“, war sein Fazit.

Verteidiger Joachim Klama forderte das Gericht auf, sich an Fakten zu halten. Auf dem Handyvideo, das der Angeklagte vom Oralsex machte, sei kein Messer zu sehen. In den wenigen Worten der Rentnerin sei in den Szenen nichts von Angst zu hören. Zudem gebe es einige Widersprüche in ihren Aussagen. Vielleicht habe sich die Witwe geschmeichelt gefühlt, als attraktiv gesehen zu werden. Und als sie merkte, dass der Angeklagte 4000 Euro gestohlen hatte, „musste sie das irgendwo erklären“, zum Beispiel in der Familie.

Eine Verurteilung wegen Diebstahls und Betrugs sei möglich, aber nicht wegen schwerer Straftaten wie einer Vergewaltigung, sagte Klama.

Für Hans-Ulrich Beust, Anwalt der Rentnerin, sind 13 Jahre Haft indes gerechtfertigt. Adnan D. habe mit seinen Angaben die Rentnerin beleidigt. Und: Seine Version sei „an Niedertracht nicht zu überbieten“.

Am Freitag soll das Urteil fallen. cf