Nach Brandstiftung im Kaufland wegen versuchten Mordes angeklagt

Heilbronn/Neckarsulm  Das Heilbronner Landgericht verhandelt eine sonderbare Attacke eines 50-Jährigen vom Dezember. An zwei Stellen hatte der Täter Textilien und Holzpaletten in Brand gesetzt und dadurch Kunden sowie Angestellte gefährdet. Das Motiv für die Tat ist noch unklar.

Von Carsten Friese

Der Anklagevorwurf wiegt schwer: Wegen versuchten Mordes muss sich ein Mann Anfang 50 ab dem heutigen Mittwoch vor dem Heilbronner Landgericht verantworten, weil er im Dezember 2018 am helllichten Tag im Kaufland ein Feuer entfacht hat.

Der Mann soll laut Anklage in dem großen Einkaufsmarkt mehrere Textilien mit Grillanzünder bespritzt und ein Feuer entfacht haben. Er hat dabei nach Ansicht der Staatsanwaltschaft billigend in Kauf genommen, dass von den zur Tatzeit rund 700 Kunden und Angestellten jemand zu Tode kommen könnte. Das Feuer konnte gelöscht werden, so dass es am Ende bei einem Sachschaden von rund 50 000 Euro blieb.

Zeugen reagierten geistesgegenwärtig

Nach der Brandstiftung im Haus soll der Angeklagte noch im Bereich der Warenanlieferung einige Holzpaletten angezündet haben. Ein Übergreifen des Feuers konnte durch aufmerksame Zeugen verhindert werden, die mit Hilfe eines Gabelstaplers  eine Schneise zwischen brennende und intakte Paletten schufen. In dem Fall entstand ein Sachschaden von weiteren 15.000 Euro. 

Nach dem Brandanschlag konnte der Tatverdächtige zunächst fliehen. Die Polizei veröffentlichte Phantombilder, kurz darauf wurde der 50-Jährige nach Hinweisen aus der Bevölkerung festgenommen. Der Deutsche, der zum Tatzeitpunkt erst wenige Wochen in Heilbronn lebte, ist wegen Drogen- und Diebstahldelikten vorbestraft. 

Bis Mitte Juni sind fünf Prozesstage angesetzt

Am Tattag musste wegen des Feuers und der Rauchentwicklung an den Holzpaletten auch der Zugverkehr auf den nahen Bahngleisen eingestellt werden. Nach der Brandattacke im Obergeschoss des Kaufland-Marktes war die Etage geräumt und gesperrt worden. Nach seiner Verhaftung hat sich der Angeklagte nicht zu den Tatvorwürfen geäußert. 

Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts wird den Fall verhandeln. Sie hat 16 Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Bis Mitte Juni sind bisher fünf Prozesstage angesetzt.