Mordprozess Löwenstein: Sonderbare Brandstelle im Fokus

Heilbronn/Löwenstein  Halbzeit im Löwensteiner Mordprozess: Stück für Stück setzt das Gericht Puzzleteile der brutalen Tat zusammen. Es gibt eine Reihe belastender Indizien gegen den 63-jährigen Georg M., aber keinen entscheidenden Beweis. Tötete er seine Ehefrau mit 15 Messerstichen?

Von Carsten Friese

Das 59 Jahre alte Opfer war nur wenige Meter vom Eingang der Tagungsstätte entfernt tot aufgefunden worden. Foto: Manuel Maier  

Wenn heute im Prozess um den Mord an einer 59-jährigen Frau auf dem Parkplatz der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein vor dem Heilbronner Landgericht eine sonderbare Brandstelle im Wald bei Eschenau beleuchtet wird, ist die Hälfte der geplanten Prozesstage vorüber. In dem akribischen Indizienprozess, in dem der angeklagte Ehemann der Frau seit Anfang an beharrlich schweigt, setzt das Schwurgericht Zug um Zug die Puzzleteile des Geschehens zu einem Bild zusammen. 

Klares Tatmotiv

Fakt ist, dass der 63-jährige Georg M. ein Motiv hatte, seine getrennt von ihm lebende Ehefrau umzubringen. Dass sie mit ihrem neuen Lebenspartner „die Familie kaputt macht“, hatte der Vater in einem Brief an seinen Sohn geschrieben.  Er hatte offenbar weiter Zugang zum E-Mail- und Facebookkonto seiner Frau, auf seinem Computer  fanden Ermittler einige Gesprächsdateien. So war er im Bild, was seine Frau mit dem neuen Mann an ihrer Seite plante und dass sie sich scheiden lassen wollte.

Bemerkenswert sind Aussagen von Verwandten, die den Angeklagten als Menschen mit zwei extremen Seiten kennzeichneten: Einerseits fürsorglich für die Familie, sachlich, höflich, auf der anderen Seite extrem rücksichtslos als Autoraser auf der Straße und teilweise gewalttätig gegenüber seinen Kindern. Zur Sprache kam, dass Georg M. offenbar in früheren Jahren wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr verurteilt worden war, weil er einen Jugendlichen auf einer Straße tödlich verletzt hatte. Ein Bruder der Ermordeten hatte in einem Brief Georg M. einmal Hausverbot erteilt - und ihm handschriftlich viele Verfehlungen unterstellt, unter anderem Gelddiebstahl, einen unterschlagenen Scheck und Gewalt-attacken gegen Tiere.

Verwandte berichten von früher Morddrohung

Von einer frühen Morddrohung des Angeklagten, dass er seine Ehefrau umbringen werde, falls sie ihn einmal verlasse, berichteten Verwandte ebenfalls.

Mit 14 Messerstichen war Margot M. (59) Ende März 2017 auf dem Parkplatz in Löwenstein erstochen worden, als sie nach Feierabend gerade in ihr Auto einsteigen wollte. Die Tatwaffe wurde nie gefunden. Aber eine DNA-Spur entdeckten Ermittler an einer Getränkedose in Tatortnähe, die auf den Angeklagten hindeutet. Von wann sie stammt, ist nicht bekannt.

Wer verbrannte Kleidungsstücke im Wald?

Zwei Brüder des Angeklagten sagten als Zeugen aus, dass sie Georg M. eine solche Tat definitiv nicht zutrauen.  „Ich bin mir ganz sicher, dass er es nicht sein kann“, sagte einer der Brüder aus. Allerdings: Ihre Angaben zum Tatabend widersprechen sich. Einmal soll Georg M. gegen 20 Uhr in einem Lokal in Obersulm gewesen sein, im anderen Fall zu Hause nach der Arbeit eingeschlafen sein. Die Tat geschah gegen 21.30 Uhr.

Heute beleuchtet das Gericht eine Brandstelle im Wald bei Obersulm-Eschenau, die einige Tage nach der Tat dort entdeckt wurde. Georg M. wohnt in dem Ortsteil. Hosennieten und Stoffreste sollen dort gefunden worden sein. Die Frage, die die Richter umtreibt: Wer verbrennt aus welchem Grund derartige Dinge an dieser Stelle?

Als Nebenkläger verfolgen die erwachsenen Kinder der getöteten Mutter und des Angeklagten den Fall. Es ist für sie eine extreme Situation. Er könne es sich nicht vorstellen, dass sein Vater die Tat begangen habe, das passe nicht, sagte der Sohn als Zeuge aus. Andererseits müsse er den Spuren der Polizei vertrauen. Sein Wunsch ist: „Der Täter soll bestraft werden“.

Bis Ende April hat das Landgericht Prozesstermine angesetzt.