Klinik wusste seit 2011 von Strafverfahren

Heilbronn - Die Heilbronner Staatsanwaltschaft reagiert auf die Berichterstattung der Heilbronner Stimme über eine ehemalige SLK-Patientin, die sich vom holländischen Skandalarzt Ernst J. S. geschädigt fühlt und nimmt Vorermittlungen auf.

Von unseren Redakteuren Jürgen Kümmerle und Adrian Hoffmann

Heilbronn - Die in den Niederlanden erhobenen Vorwürfe gegen den Arzt Ernst J. S. (67) sind im Gesundbrunnen seit eineinhalb Jahren bekannt. Der Geschäftsführer der SLK-Kliniken, Thomas Jendges, bestätigte am Sonntag gegenüber der Heilbronner Stimme, dass man seit Mitte 2011 wusste, dass ein Verfahren gegen den Honorararzt J. S. im Nachbarland läuft.

„Kurz nach Beginn seiner Tätigkeit gab es einen Hinweis, dass Ernst J. S. seine Zulassung zurückgab und es ein Verfahren gegen ihn gebe“, sagte Jendges. Wer genau im Gesundbrunnen von den Hinweisen wusste, konnte Jendges gestern nicht sagen. „Mir persönlich war es nicht bekannt.“ Da J. S. nicht verurteilt war und es auch keinen Haftbefehl gab, habe die Personaldirektion entschieden, ihn weiter zu beschäftigen. Das SLK-Klinikum hat den in den Niederlanden angeklagten Arzt am Freitag entlassen.

In einer am Samstag veröffentlichten Pressemitteilung der SLK hieß es, dass mit Bekanntwerden der Vorwürfe die Zusammenarbeit mit Ernst J. S. beendet worden ist. Davon, dass es schon vor mehr als eineinhalb Jahren einen ersten Hinweis gegeben hat, findet sich in der Pressemitteilung kein Wort.

Größter medizinischer Strafprozess der Niederlande

Die Klinik reagierte mit der Trennung von J. S. auf niederländische Medien, wonach dem Arzt schwere Körperverletzung in mindestens 21 Fällen vorgeworfen wird. Er soll von 1998 bis 2003 in einem holländischen Krankenhaus Fehldiagnosen gestellt und bei mindestens 13 Patienten unnötige Gehirnoperationen durchgeführt haben. Die Staatsanwaltschaft spricht vom „größten medizinischen Strafprozess in der Geschichte der Niederlande“. Dort darf Ernst J. S. bereits seit 2006 nicht mehr praktizieren.

„Es hat mich geschockt, was in den holländischen Medien zu lesen war“, sagte Jendges bei einer Pressekonferenz am Samstag. Ernst J. S. habe im Gesundbrunnen keine Eingriffe vorgenommen. „Ähnliches wie in Holland können wir absolut ausschließen.“ Unterdessen gab eine 33 Jahre alte Frau aus dem Landkreis gegenüber unserer Zeitung an, dass sie im August 2012 von Ernst J. S. behandelt wurde. Sie habe noch Wochen danach unter der Behandlung gelitten. Ob dieser Eingriff medizinisch ordnungsgemäß vorgenommen wurde oder nicht, ist im Augenblick noch ungeklärt.

2009 in Sauerland aufgeflogen

Nach Medienberichten war J. S. bereits 2009 im Sauerland aufgeflogen. Die „Bild“-Zeitung hatte vor vier Jahren berichtet, dass der Mann nach Journalistenhinweisen über die Ermittlungen aus der Klinik entlassen wurde.