Kinderschutzbund: Kinderpornografie ist weltweite Herausforderung

Heilbronn  Ein Heilbronner Erzieher ist angeklagt, mindestens 10.000 Bilder und 900 Videos kinderpornografischen Inhalts auf seinem Rechner gespeichert zu haben. Angesichts des Falls spricht Martina Huxoll-von Ahn, stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, über den Kampf gegen Kinderpornografie.

Von Benjamin Richter

Der Angeklagte muss sich am 16. März vor dem Amtsgericht Heilbronn verantworten. Er war in einem Kindergarten in Heilbronn angestellt, der in kirchlicher Trägerschaft ist, und wurde Mitte Januar von seinem Posten suspendiert. Neben seinem Job im Kindergarten hatte er gegen Honorar auch Geburtstagspartys für Kinder veranstaltet.

Mit konkreten Zahlen sei es beim Thema Kinderpornografie zwar immer schwierig, weil es sich um einen sehr undurchsichtigen Bereich handle, sagt Martina Huxoll-von Ahn. „Aber wir können davon ausgehen, dass wir es in den letzten Jahren mit einer erheblichen Zunahme von Nutzern zu tun haben, die kinderpornografisches Material konsumieren.“ Das Internet habe es sehr einfach gemacht, einschlägiges Material zu verbreiten.

Zeitgleiche Gerichtsprozesse

Ob es sich bei dem Heilbronner Fall vom Umfang her um einen außergewöhnlichen Fall handle, kann die Kinderrechtlerin schlecht einschätzen. „Ich vermute aber, dass die Datenmenge nicht ungewöhnlich ist.“ Dass die Zahl kinderpornografischer Straftaten in letzter Zeit gestiegen ist, bezweifelt Huxoll-von Ahn. „Ich würde nicht direkt sagen, dass es bei den kinderpornografischen Fällen in letzter Zeit eine Zunahme gegeben hat. Manchmal ist es eher so, dass die Medien plötzlich für ein Thema sensibilisiert sind und sich dann die Berichterstattung häufen kann.“ Außerdem komme es vor, dass fast zeitgleich zwei solcher Gerichtsprozesse begännen, was dann die Aufmerksamkeit erhöhe.

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Der Kinderschutzbund sieht die Ordnungshüter in der Lage, Kinderpornografie effektiv zu bekämpfen. „Meiner Einschätzung nach hat die Polizei genügend Kompetenzen, um gegen Kinderpornografie vorzugehen“, sagt Huxoll-von Ahn. „Sie ist ja auch in der Lage, ohne Verdacht anlassunabhängig zu ermitteln. Aber ich meine auch, wir reden hier über ein weltweites Netz, und da stellt sich natürlich die Frage, ob man für so eine Herausforderung überhaupt jemals genug Personal zur Verfügung haben kann.“

Gesetzliche Regelungen weltweit unterschiedlich

Im Zuge der Digitalisierung würden sich die Möglichkeiten zur Weiterverbreitung von kinderpornografischem Material immer mehr erweitern, gab sie zu bedenken. „Die Frage ist, ob der Konsum von Kinderpornografie nicht die Bereitschaft erhöht, Kinder zu missbrauchen. Kinderpornografischem Material liegt der tatsächliche sexuelle Missbrauch von Mädchen und Jungen zugrunde und von daher muss alles getan werden, zu verhindern, dass solche Straftaten begangen, gefilmt und verbreitet werden.“ Eine besondere Schwierigkeit ergebe sich auch dadurch, dass gesetzliche Regelungen zu Kinderpornografie weltweit betrachtet unterschiedlich seien.