Kinderporno-Fall: Vertrauenskrise im Heilbronner Kindergarten

Heilbronn  Kirchenpfleger Rolf Krieg hat die Verantwortung für den vom Kinderporno-Fall betroffenen Kindergarten in Heilbronn an seinen Stellvertreter abgegeben. Unterdessen haben sich elf Pfarrer aus Heilbronn an die Eltern gewandt.

Von Helmut Buchholz

Auf der Internetseite der Heilbronner Kirchengemeinden nehmen Heilbronner Pfarrer Bezug zum Kinderporno-Fund bei einem Kindergarten-Erzieher. Foto: Stimme.de

Kirchenpfleger Rolf Krieg hat die Verantwortung für den vom Kinderporno-Fall betroffenen Wilhelm-Busch-Kindergarten in Heilbronn an seinen Stellvertreter abgegeben. Das erklärt Pressepfarrer Matthias Treiber auf Stimme-Nachfrage. Als Grund gibt Treiber an, "dass momentan das Vertrauensverhältnis zwischen Krieg, den Erzieherinnen und dem Elterbeirat nicht mehr da ist".

Die Eltern des Kindergartens hatten den Rücktritt von Krieg gefordert. Sie werfen dem Kirchenpfleger, der innerhalb der evangelischen Gesamtkirchengemeinde für die Kindergärten zuständig ist, "Täterschutz" im Kinderporno-Fall vor. Krieg habe schon Anfang September 2017 von der Polizei erfahren, dass gegen einen Erzieher (30) wegen des Kinderpornografie-Besitz ermittelt wird. Doch der 30-Jährige arbeitete unbehelligt bis Mitte Januar 2018 weiter, ohne dass Eltern oder die Kolleginnen des Erziehers von den Vorwürfen erfuhren.

Krisenteam im Einsatz

Die Kirche hat ein Krisenteam eingesetzt, um die Vorkommnisse aufzuarbeiten. Dabei geht es auch darum, welche Konsequenzen aus dem Fall gezogen werden sollen. Es erschwere die Sache, dass die Dekanatsstelle vakant ist, erklärt Kirchensprecher Matthias Treiber. Die Stelle wird erst im Juli besetzt. Der Dekan ist Vorgesetzter von Kirchenpfleger Krieg. Das Krisenteam müsse nun in der Vakanzzeit die Zuständigkeiten klären.

Unterdessen haben sich elf Pfarrer aus Heilbronn an die Eltern gewandt. Unter der Überschrift "Wir bitten um Vertrauen" schreiben die Pfarrer auf der Internetseite des evangelischen Kirchenbezirks, dass sie über den Fall "tief erschüttert seien" und sich die Frage stellen, "wo wir hätten aufmerksamer sein müssen". Bei einem Elternabend hatten die Eltern den Pfarrern und Erzieherinnen das Vertrauen ausgesprochen.

Gerichtsprozess startet Mitte März

Im Mai 2016 wurden in der Wohnung des Erziehers auf seinem Rechner 10.000 Bilder und 900 Videos kinderpornografischen Inhalts sichergestellt. Am 16. März steht er deswegen vor Gericht.

Verantwortliche der Kirche hatten sich bereits am vergangenen Freitag den Eltern der Kinder im Wilhelm-Busch-Kindergarten gestellt. 60 Mütter und Väter waren ins Gemeindehaus der evangelischen Wartberggemeinde gekommen, um dem tags zuvor zusammengestellten Krisenteam Fragen zu stellen. 

 


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