Kinderporno-Fall: Fünf Jahre Haft für Erzieher

Heilbronn  Das Urteil im Prozess um Kindesmissbrauch ist gefallen. Das Heilbronner Landgericht verurteilte den ehemaligen Kindergartenleiter Kevin F. zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe. Hinter Gittern will er nun eine Sexualtherapie machen.

Von Carsten Friese
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Was er getan hat, hat in Elternkreisen in Heilbronn für helle Aufregung gesorgt. Jetzt hat Kevin F., ein äußerst beliebter Erzieher und früherer Leiter eines Heilbronner Kindergartens, die strafrechtliche Quittung für seine Taten erhalten.

Zu fünf Jahren Gefängnisstrafe hat das Heilbronner Landgericht den 31-Jährigen am Freitag verurteilt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte einen Jungen, den er in einem Kindergarten näher kennengelernt und sich dann mit der Familie angefreundet hatte, über Jahre sexuell für Oralsex missbrauchte und Genitalfotos von dem Jungen schoss. Zudem hatte er auf einer Kinderfreizeit Genitalfotos von zwei schlafenden Jungen aufgenommen und zu Hause Tausende Bilder und Videodateien mit kinderpornographischem Inhalt aus dem Internet besessen, die er auch in dunklen Zonen des Internets zum Verkauf anbot.

Im Prozess hat der Erzieher alle Vorwürfe der Anklage eingeräumt und zugesagt, dem missbrauchten Jungen ein Schmerzensgeld von 20.000 Euro zu zahlen. 19 Missbrauchsfälle listete die Anklage auf. Die Taten ereigneten sich in einem Zeitraum, in dem der Junge acht bis zwölf Jahre alt war. Als „amouröse Liebesbeziehung“ hat Kevin F. das Verhältnis nach Angaben eines Ermittlers bezeichnet. Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem Angeklagten eine pädophile Neigung, aber volle Schuldfähigkeit attestiert.

Ermittlungspanne: Arbeitgeber wurde von Polizei rund 15 Monate lang nicht informiert

Das Verfahren hat für viele Schlagzeilen gesorgt. Zum einen, weil die Polizei schwere Fehler machte und nach einer Hausdurchsuchung im Mai 2016 bei Kevin F., bei der sie Tausende Kinderpornobilder beschlagnahmte, nicht ermittelte, was der Tatverdächtige von Beruf ist. Er konnte ganz normal weiterarbeiten. Erst 15 Monate später erfuhren die Beamten von seinem Beruf und informierten dann umgehend den Arbeitgeber, die evangelische Gesamtkirchengemeinde Heilbronn.

Dort dauerte es dann weitere rund vier Monate, bis endgültig Konsequenzen gezogen wurden, der Kindergartenleiter aus dem Dienst im Wilhelm-Busch-Kindergarten entfernt und eine Kündigung ausgesprochen wurde. In all dieser Zeit lief der Missbrauch des Jungen weiter – bis Januar 2018.

Erst als die Staatsanwaltschaft dem zuständigen Kirchenpfleger mitteilte, dass nun Anklage erhoben wurde, handelte die Kirchenleitung. Zu dem Zeitpunkt gab es indes noch keine Erkenntnisse über die Missbrauchsfälle, nur Informationen über den Besitz der vielen Kinderpornobilder. Den Missbrauch räumte Kevin F. nach Angaben seines Anwalts erstmals vor dem Haftrichter im März 2018 ein. Dennoch sorgte es in der Öffentlichkeit für viel Unverständnis, dass die Kirche so lange abgewartet hatte.

Erzieher möchte nie mehr Kinder betreuen

Im Gefängnis will der Erzieher nun eine Sexualtherapie machen, wie Verteidiger Thomas Amann erklärte. Mit Kindern wolle Kevin F. nie mehr arbeiten, sondern sich nach der Haft „ganz neu orientieren“. Der Gutachter hatte dem Angeklagten eine homosexuelle Neigung attestiert, die man „nicht wegtherapieren kann“. Ziel einer Behandlung müsse sein, dass F. sich ein sozial adäquates Verhalten aneigne. „Man muss schauen“, so der Gutachter, „dass er sich von Kindern fernhält.“

 


 

Staatsanwalt ermittelt nach Anzeigen anderer Eltern weiter 

 

Für Staatsanwalt Joachim Müller-Kapteina ist „die Causa Kevin F.“ noch nicht abgeschlossen. Er sagte, dass es weitere Anzeigen und weitere Ermittlungen gegen Kevin F. mit Blick auf mögliche Missbrauchstaten gegen andere Kinder gebe. Müller-Kapteina sprach von Verdachtsäußerungen vor allem von Eltern und Aussagen, „die wir sehr ernst nehmen“. Klare Verdachtsmomente gebe es bisher nicht. Es werde aber weiter ernsthaft ermittelt - und bei möglichen konkreten Anhaltspunkten über weiteren Missbrauch werde man auch erneut Anklage erheben. >>Weiterlesen (Premium)

 

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