Kaum eine Stadt ist bunter

Heilbronn  Heilbronn - Mit einem Anteil von 46,1 Prozent der Bevölkerung mit Zuwanderungsgeschichte steht Heilbronn bundesweit auf Platz drei.

Von unserer Redakteurin Bärbel Kistner

Kaum eine Stadt ist bunter
Multikulturelle Zukunft: Bei der Gesamtbevölkerung Heilbronns liegt der Anteil der Migranten bei 46,1 Prozent. Bei Kindern und Jugendlichen haben bereits knapp zwei Drittel eine ausländische Herkunft.Foto: Archiv/Sawatzki

Heilbronn - Nur Offenbach und Pforzheim haben prozentual noch ein paar mehr: Einwohner mit Migrationshintergrund. Mit einem Anteil von 46,1 Prozent, das sind 52 930 Bürger mit Zuwanderungsgeschichte, steht Heilbronn bundesweit auf Platz drei. Großstädte in Deutschland, denen man ein deutlich höheres Potenzial nicht-deutschstämmiger Bewohner zugedacht hätte, tauchen erst viel später in der Statistik auf: Duisburg etwa hat 30 Prozent Migranten, Berlin nur knapp 23 Prozent. Hohe Quoten haben Stuttgart (38,6) und Frankfurt (42,7 Prozent).

Die Ergebnisse des Zensus, der Volkszählung, mögen vielerorts für Verwunderung gesorgt haben, in Heilbronn sind die Zahlen jedoch längst bekannt. Bereits Anfang 2007 titelte die Heilbronner Stimme "Eingeborene Heilbronner sterben aus".

Die Stabsstelle Strategie im Heilbronner Rathaus wollte sich bei der Auswertung von Bevölkerungsdaten nicht mehr, wie damals üblich, auf die Staatsbürgerschaft beschränken, sondern die Herkunft ermitteln. Als Zuwanderer gilt, wer im Ausland geboren ist oder mindestens ein Elternteil hat, das nicht aus Deutschland stammt.

Integrationsbericht

Der Geburtsort der Bewohner war seit dieser Zeit ausschlaggebend für die Heilbronner Statistiker. "Den lokalen Datengrundstock anzulegen, hat lange gedauert", erinnert sich Stephan Hegemann von der Stabsstelle Strategie. Doch der frühe Einstieg in die neue Art der Analyse habe sich gelohnt: "Unsere Daten waren die Grundlage für den ersten Integrationsbericht." Mit den Zahlen habe man den Handlungsbedarf in Sachen Integration nun auch statistisch nachweisen können.

Mit der aktuellen Volkszählung hat man erstmals auch bundesweit die Zusammensetzung der Bevölkerung nach Herkunft analysiert. Der Zensus beschert Heilbronn nicht nur ein Minus von 7500 Einwohnern, auch der Migrantenanteil ist gesunken. Bislang ging man von 48 Prozent aus, nach der aktuellen Erhebung sind es knapp zwei Prozent weniger. Der Grund: "Beim Bevölkerungsminus ist auch der Anteil ausländischer Bürger überproportional hoch", erläutert Hegemann.

Warum nun Heilbronn an der Spitze bei den Zuwanderern liegt, darüber können Statistiker nur spekulieren. Dr. Michael Bubik, Leiter der Zensus-Erhebung im Statistischen Landesamt, vermutet den starken Wirtschaftsstandort Heilbronn als Grund. Nach Ansicht von Stephan Hegemann spielt die Haushaltsgröße bei Migranten eine wesentliche Rolle dabei, dass der Anteil über die Jahre gestiegen ist. Denn: "Ausländische Mütter bekommen deutlich mehr Kinder, die Familienverbünde bleiben viel eher zusammen."

Integrationsbeauftragte Roswitha Keicher nennt weitere Gründe für die außergewöhnlich hohen Migrantenzahlen: Heilbronn erlebte in den 90er Jahre einen besonders starken Zustrom an Flüchtigen aus dem früheren Jugoslawien. Zudem war und ist Heilbronn auch bei Aussiedlern ein begehrter Wohnort. In dieser Gruppe hat der Familienverband ebenso eine wichtige Funktion.

Herkunftsländer

Bei der Herkunft sind Ländergruppen zusammengefasst, eine detaillierte Auswertung wollen die Zensusexperten nachliefern. In Heilbronn kommen 35,7 Prozent der Migranten aus einem Land der Europäischen Union. 46,7 Prozent aus dem restlichen Europa, darunter ist die Türkei erfasst − das größte Zuzugsland bei den Heilbronnern − sowie die Länder der ehemaligen Sowjetunion. 17,7 Prozent sind aus anderen Ländern der Erde nach Heilbronn zugewandert.

Kaum eine Stadt ist bunter
Die größte Gruppe der Heilbronner Migranten, ein Anteil von mehr als 46 Prozent, lebt seit über 20 Jahren in der Stadt. Rund jeder Zehnte, 5240 Menschen, sind erst in den letzten fünf Jahren gekommen. Nimmt man das Zuzugsjahr als Bezugsgröße, ergibt sich eine interessante Zahl: Knapp 40 Prozent der Migranten ist in Heilbronn geboren. In größeren Städten wie Stuttgart liegt dieser Wert noch etwas höher, ebenso im Landkreis Heilbronn.

Glauben

Die Besonderheit Heilbronns bei der Religionszugehörigkeit: Die größte Gruppe der Bürger, 38,7 Prozent, gehört nicht einer christlichen Religion an.