Junge Serien-Einbrecher vor Gericht

Region Heilbronn - Acht junge Menschen zwischen 17 und 22 Jahren stehen seit Donnerstag in Heilbronn vor Gericht. Sie sollen in unterschiedlicher Besetzung über Monate hinweg in Gaststätten, Schulen und Kindergärten eingebrochen haben. Die meisten Tatorte liegen im nördlichen Landkreis.

Von Stefanie Sapara
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Region Heilbronn - Monatelang hielten sie die Polizei auf Trab: Sie brachen in Kindergärten, aber auch in Schulen ein, teilweise mehrmals. Große Beute war dort nicht zu holen, aber − so die Vermutung der Polizei damals − die Täter dachten offenbar, dort ungestört zu sein. Bis Mitte März 2011 zählten die Beamten 108 Diebeszüge − vorwiegend im nördlichen Landkreis. Die Beute? Oft nur ein paar Euro. Briefmarken. Eine Digitalkamera. Ein Laptop. Ein paar Flaschen Alkohol. Das Diebesgut hat laut Staatsanwaltschaft einen Wert von rund 25.000 Euro, der Sachschaden ist um ein Vielfaches höher.

Seit Donnerstag nun stehen acht junge Menschen zwischen 17 und 22 Jahren vor dem Heilbronner Landgericht. Sie sollen für 46 Einbrüche und Diebstähle verantwortlich sein – vorwiegend im nördlichen Landkreis, darunter Bad Friedrichshall, Möckmühl, Oedheim, Neuenstadt, Neckarsulm, Gundelsheim, Bad Wimpfen, Untereisesheim, Roigheim, Neudenau, Untergruppenbach und Widdern. Und die jungen Angeklagten waren geständig: Vor der 2. Großen Jugendkammer räumten sie die Taten größtenteils ein. Manche waren an drei Einbrüchen beteiligt, andere an 32 oder gar noch mehr.

Ideengeber

Los ging es mit einem Einbruch in eine Bad Friedrichshaller Gaststätte. Weil der Tresor offenbar nicht verschlossen war, ergaunerte die junge Bande, damals zu vier unterwegs, rund 4200 Euro Bargeld. „Sie waren durch den Anfangserfolg geblendet“, stellt der Vorsitzende Richter fest. Denn fortan fiel die Beute jeweils weitaus geringer aus.

Ideengeber für diese erste, aber auch weitere Taten war ein 17-Jähriger. Einen Chef hätte es unter ihnen aber nicht gegeben, die Beute sei jedes Mal unter denen aufgeteilt worden, die am Einbruch beteiligt waren. In immer unterschiedlicher Besetzung trafen sich die Angeklagten, vorzugsweise am Wochenende, um zu Fuß oder mit dem Auto auf Diebestour zu gehen. Oft waren es mehrere Einbrüche am gleichen Tag. Zurück blieb Verwüstung – und nicht selten auch Angst bei Erziehern, Lehrern oder Kindern. Einige der Angeklagten zeigen Reue, sagen explizit: „Es tut mir leid. Ich habe Scheiße gebaut.“

Der Großteil der Angeklagten geht noch zur Schule oder macht eine Ausbildung, zwei von ihnen sind arbeitslos. Einige räumen ein, regelmäßig Joints geraucht zu haben.

Schwierige Ermittlungen

Die Suche nach den Tätern war für die Polizei keine einfache. Der Leiter der Ermittlungsgruppe „Kindergarten“, die teilweise bis zu 20 Beamte umfasste, sprach im März von einer Puzzlearbeit. Rund 1000 Überstunden hätten die Ermittler angehäuft. Am 12. März ertappten die Polizisten die Bande auf frischer Tat. Bei acht der Tatverdächtigen kam es zur Anklage.